Viel Prominenz zeigte sich am 29. Januar im Deutschen Theater in München. Medienunternehmer Ulrich Scheele und Ehefrau Karen luden zur 14. Verleihung des Deutschen Videofilm-Preises DIVA. Pierre Brice stand in einer Doppelrolle auf der Bühne: als Laudator für Juliette Gréco und als Preisträger des European Video Award. Pierre Brice zeichnete die französische Sängerin und Schauspielerin mit dem Lifetime-Award aus. Von der Mutter vernachlässigt, die Gefangenschaft der Gestapo überlebt, wäre es zu einfach, Juliette Gréco einfach nur als "Schwarze Muse" der Existenzialisten zu bezeichnen, als die Verkörperung des französischen Chansons, so Pierre Brice in seiner Laudatio. Ihren Liedern und ihren Filmen hat die französische Kultur ihren transatlantischen Durchbruch Richtung Amerika zu verdanken. Unter anderem arbeite Juliette Gréco mit Orson Welles, Errol Flynn, David Niven und John Huston zusammen.

"Winnetou ist dein Schicksal." Mit diesen Worten überreichte Marie Versini den European Video Award an Pierre Brice. In zwei Filmen ("Winnetou I" und "Winnetou und sein Freund Old Firehand") spielte sie Winnetous Schwester "Nscho-Tschi". Sie erinnerte auch an die großen Filmrollen, in denen Pierre Brice auf der Leinwand geglänzt hat, zum Beispiel als Kommissar in "Die Puppe des Gangsters" mit Sophia Loren und Marcello Mastroianni oder als Lehrer in "Die Nacht gehört uns". Doch "Winnetou habe ich es immerhin zu verdanken, dass ich heute hier stehen darf und dass ich die kennen lernen durfte". Marie Versini umriss den Verlauf der Winnetou-Rolle, die sich wie ein rotes Band durch seine Karriere zog. "Im Laufe der Zeit hast du den Indianer nicht nur gespielt - du hast ihm eine persönliche Botschaft eingeprägt. Du hast die Bedeutung Winnetous bis in die Gegenwart gerettet, ihn zum Vorbild mehrerer Generationen gemacht. Der Name Pierre Brice ist bis heute mit Werten verbunden. Werten wie Freundschaft, Treue, Mut, Ehrlichkeit, die Sehnsucht nach Frieden, Menschlichkeit und Tapferkeit. Und er steht wie kein anderer für die deutsch-französische Freundschaft.(…)













Fotos: © Thomas Claassen
Schon mit 15 Jahren hattest du für Gerechtigkeit gekämpft. Hattest dich während des 2. Weltkriegs in Frankreich der Résistance angeschlossen, später als Soldat in Algerien und Indochina die Schrecken des Krieges kennen gelernt. Auch damals warst du, da bin ich mir sicher, ein Held in allen Lebenslagen, großzügig und hilfsbereit. Ein treuer Freund, immer entschlossen, selbst dein Leben einzusetzen. Genauso hast du später die Figur des Winnetou beschrieben, als wär sie dir auf den Leib geschneidert. Dass du diese Ideale schon immer verkörpert hast, durfte ich in unserer gemeinsamen Drehzeit erleben. Nennen wir es also einfach Schicksal, dass ich mehr als 40 Jahre danach vor dir stehe, um dir als Freund und Vorbild diesen Preis überreichen zu dürfen."

Liebeserklärung an Ehefrau Hella

Gerührt und unter großem Applaus nahm Pierre Brice die Auszeichnung von Marie Versini entgegen. Mit einer nachdenklichen Rede bedankte er sich dafür. Eine Hommage für ihn? "Quelle horreur! Das riecht verbrannt. Das Spiel ist gespielt. 75 Jahre jung. Und jetzt, wo ich vor Ihnen stehe, weiß ich, was Sie denken: ‚Wie lange will der noch?' Aber ich bin noch nicht am Ende! Ich will spielen und sprechen bis meine Stimme versagt. Ich liebe diese Zeit, die mir bleibt. Ich will Neues erfahren, Fremde kennen lernen. Kinder, Frauen, große Menschen, kleine Menschen, lustige, traurige, kluge und dumme. Sie sind lustig, die Dummen, sie sind beruhigend. Mein Vater sagte: ‚Die Zeit ist wie das Brot. Behalte etwas übrig für morgen.' Ich habe noch etwas Brot übrig. Wie viel Zeit noch? Aber es ist mir gleich!" Seiner Frau Hella machte Pierre Brice eine der schönsten Liebeserklärungen dieses Abends : "Wenn das Orchester aufhört zu spielen, werde ich noch tanzen. Wenn die Zeit anhält, werde ich dich noch lieben. Ich weiß nicht wo, ich weiß nicht wie, aber ich werde dich noch lieben. Einverstanden?" Die bejahende Antwort von Hella Brice ging im Applaus der gerührten Gäste fast unter.