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© 2000 - 2012 Dr.-Ing. Martina Schneider
for Pierre Brice
Impressum
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 | Auf
dem Friedhof von Brignogan liegt Jean Castel begraben.
Der Mann, der Pierre Brice das Leben rettete,
starb in seinen Armen während des Krieges. |
Pierre Brice: ein Bretone, der Heimweh hat |
Pierre Brice ist Winnetou, Winnetou
ist Pierre Brice. So war es, so ist es und so wird es
immer bleiben. Auch wenn die Zeit, in der er seinen Blick
vom Starschnitt durch die Weite des Teenie-Kinderzimmers
schweifen ließ vorbei ist, der Franzose hat sich
in über 40 Jahren ein treues und stets nachwachsendes
Publikum bewahrt.
Im September erschien seine Autobiografie "Winnetou
und ich - Mein wahres Leben". "Eigentlich hätte
sie auch Der Mann hinter Winnetou' heißen
können", lacht der charmante Schauspieler mit
dem unverkennbaren Grübchen am Kinn. Denn Winnetou
war ein wichtiger, doch nicht der einzige Teil seines
Lebens. "Winnetou war für mich der wichtigste
Punkt meiner Karriere. Ihm habe ich es zu verdanken, dass
ich heute noch ein Publikum habe, das mich liebt und mich
mittlerweile auch in anderen Rollen akzeptiert. Zum Beispiel,
wenn ich im Theater auf der Bühne stehe." Doch
wenn Pierre Brice zurückblickt, und das hat er für
seine Autobiografie oft getan, dann stellt er fest, dass
es viele Momente und Erlebnisse gab, die sein Leben geprägt
habe. "Meine Autobiografie zu schreiben war manchmal
schmerzhaft und voller Wehmut, manchmal aber auch sehr
schön und heiter." | | | | | Pierre und Hella Brice in seiner alten Schule in Brest. Hier
hat Pierre Brice im "Ring" so manchen
Kampf mit Schulkameraden ausgetragen. |
Im Wildwasserboot
kam das Wasser nicht nur von unten, sondern von
allen Seiten. Hella versteckte sich unter Pierres
Jacke. | In Lorient
ist das "Commando des Marins" stationiert. Bei ihnen
durchlief Pierre Brice seine Ausbildung zum Elitesoldaten.
Allerdings nicht in Frankreich, sondern in Algerien. |
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So empfand er auch, als er sich für
ein ARD-Portrait zurück auf den Weg zu seinen Wurzeln
machte. Zurück in das Haus mit der Nummer 40 in der
Rue Victor Hugo in Brest. Seit Jahrzehnten ist er nicht
mehr hier gewesen - seit er ein kleiner Junge war und
von allen nur Pierrot oder Pierrick genannt wurde. Pierre
Brice öffnet die Eingangstür und geht allein
die Holztreppe hinauf zu der Wohnung, in der er geboren
wurde. Er klingelt, ein Mann macht auf. Verstohlen versucht
er, einen Blick in die Wohnung zu erhaschen. Dort, wo
jetzt die Küche ist, erkennt er das alte Wohnzimmer.
Der Garten des Hinterhofes ist völlig zugewuchert.
"Hier habe ich als Kind das Arbeiten mit Holz gelernt.
Unser Concierge hatte genau da ein kleines Atelier."
Und hier wuchs der Wunsch, einmal Architekt zu werden.
Doch es sollte anders kommen, zum Glück für
ihn und seine Fans - und für Karl May, denn Pierre
Brice war es, der Winnetou eine Seele gab, wie es ein
Professor einmal schrieb. |  |
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| Spaziergang mit Ehefrau Hella durch ein Feld. | Hier in der
40, rue Victor Hugo, wurde Pierre Brice am 6. Februar
1929 in einer stürmischen Nacht geboren. Nach
60 Jahren war Pierre Brice das erste Mal wieder
an diesem Ort. | Die Kirche
St. Michel in Brest. Hier wurde Pierre Brice getauft
und feierte seine Kommunion. |
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Nur ein
paar Meter weiter um die Ecke steht die Kirche Mont St.
Michel. Vorsichtig öffnet Pierre Brice die Tür
und tritt herein. Er bekreuzigt sich und hält inne.
"Viele Gedanken bewegen mich. In dieser Kirche wurde
ich getauft. Meine Kommunion war hier." Der kleine
Pierre hatte als Ministrant gedient - und somit seine
ersten Erfahrungen mit Rotwein gesammelt, wenn der Priester
mal nicht aufpasste. "Wir haben auch heimlich von
den Oblaten genascht, es waren Brioches", erinnert
er sich.
Die Reise führt ihn weiter an den Strand von Brignogan.
Meter hohe Felsen trennen den Strand vom Ozean, in der
Ferne brechen die Wellen. "Als kleiner Junge bin
ich mit einem Freund hinaus aufs Meer gerudert. Wir waren
verrückt, denn die See war stürmisch. Wir wären
fast ertrunken, aber Dank eines Jungen, der uns gesehen
hatte, wurden wir von einem Boot gerettet." Dieser
Junge hieß Jean Castel. "Es war Schicksal.
Wir gingen später zusammen zur Marine-Schule. Und
bei einem Einsatz in Indochina ist er in meinen Armen
gestorben." Er ruht auf dem Friedhof von Brignogan.
Pierre Brice steht an seinem Grab und grüßt
den alten Kameraden, dem er sein Leben verdankt.
Seine Ausbildung zum Marinefüselier absolvierte Pierre
Brice in Algerien. Er war ein Elite-Soldat und kämpfte
gegen den Kommunismus, der die körperliche und geistige
Freiheit der Menschen unterdrückte. Als er den heutigen
Standort der Marine-Schule in Ploemeur besichtigt, hat
er sein grünes Barett dabei. Ein älterer Soldat
marschiert auf ihn zu und reicht dem ehemaligen Maat le
Bris die Hand. "Wenn Ihnen wirklich dieses grüne
Barett gehört, müssen Sie ein ausgezeichneter
Soldat gewesen sein." Pierre Brice setzt es auf,
fast ist es ihm ein bisschen peinlich, doch er hat sich
so sehr auf den Besuch gefreut. |
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| Diese beiden
Kostüme haben Pierre Brice' Leben geprägt:
seine Uniform als Marinesoldat und das Winnetoukostüm. |
In der Marine-Schule
traf Pierre Brice einen Soldaten, mit dem er über
alte Zeiten sprach. Das grüne Barett, das Pierre
Brice trägt, zeugt von Pierre Brice' Zeit bei
der Elite-Einheit. | Mit Mario
Luraschi arbeitete Pierre Brice viele Jahre zusammen,
die beiden sind noch immer eng befreundet. | |
Er redet lange mit dem
Soldaten und erzählt von seinen Abenteuern und Einsätzen,
die ihn mehr als einmal fast das Leben gekostet haben.
"Meine Zeit beim Militär war die wichtigste
in meinem Leben. Hier habe ich gelernt, was Kameradschaft
und Disziplin bedeuten." Noch heute fühlt sich
Pierre Brice als Soldat, "ich werde immer einer sein",
sagt der glühende Gaullist bewegt.
Bis hierher keine Spur von Winnetou. "Ich habe Ihnen ja gesagt, dass er zwar ein wichtiger Teil meines Lebens
war und ist, aber nicht mein einziger." Erst als
er seinen Freund Mario Luraschi besucht und seine alten
Pferde "Ramboso" und "Querido" begrüßt,
gibt es eine Verbindung zu dem edlen Apachen-Häuptling.
Beide lernten sich Ende der 70er Jahre bei den Dreharbeiten
zur Fernsehserie "Mein Freund Winnetou" in Mexiko
kennen. Seitdem sind sie dicke Freunde und haben auch
bei den Karl-May-Festspielen in Elspe und später
in Bad Segeberg zusammen gearbeitet "Mario ist ein
echter Pferdeflüsterer, er spricht mit ihnen. Er
versteht sie und sie verstehen ihn", schwärmt
Pierre, der seit einem Unfall bei den Dreharbeiten zum
ZDF-Zweiteiler "Winnetous Rückkehr" nicht
mehr reitet. |  |
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 | | Mario Luraschi
ist der gefragteste Pferdedompteur Europas, sogar
in Amerika ist er gefragt. Ihn und Pierre Brice
verbindet eine langjährige Freundschaft. |
Die Schuhe
von Obelix sind Pierre Brice wohl doch eine Nummer zu groß. |
Wer da wohl der Stärkere ist? Hella wollte schlichten. |
| Bevor es zurück nach Hause geht, macht Pierre Brice einen Abstecher in
den Asterix-Park in der Nähe von Paris. Das letzte
Mal war er mit seinen beiden Nichten Gabsy und Carina
vor ein paar Jahren hier. Bevor Pierre Brice das erste
Karussell betreten kann, wird er von einem tschechischen
Fan erkannt. "Winnetou! Winnetou" ruft er durch
den Park und verdrückt eine Träne, als er seine
Kinder mit seinem Star fotografiert. Auch Ehefrau Hella
bekommt eine herzliche Umarmung ab. Seit 23 Jahren ist
sie mit Winnetou verheiratet, seitdem sind die beiden
so gut wie nie getrennt. "Sie ist die Frau meines
Lebens", stand für den begehrten Junggesellen
damals sofort fest. "Und daran hat sich bis heute
nichts geändert." Sie leben zusammen auf einem
Landsitz nördlich von Paris, zusammen mit drei Hunden,
drei Schafen und einem Hängebauchschwein.
Hier hat Pierre Brice seine Memoiren geschrieben, Wort
für Wort mit der Hand. "Ich habe alles noch
einmal durchlebt. Schöne, traurige und gefährliche
Momente", sagt er und blickt an die Wand, an der
die beiden Kostüme hängen, die sein Leben verändert
haben. Das eine ist die hirschlederne Jacke, die jeder
kennt. Das andere ist die Uniform, die Pierre Brice als
unbekannter Soldat trug. "Ich freue mich, meinem
Publikum eine Seite von mir zu zeigen, die es noch nicht
kannte. Ich hoffe, es mag den Mann hinter Winnetou." |
 |  |  | | Der Mann hinter
Winnetou. Pierre Brice mit seinen Auszeichnugen, die er Winnetou zu verdanken hat. |
In seiner alten Schule kam wieder das Kind Pierre le Bris im Manne Pierre Brice durch. | Pierre und Hella Brice am Strand von Brignogan. Hier verlor er als Jugendlicher
fast sein Leben. Seitdem betet er regelmäßig jeden Abend. |
© by Thomas Claaßen

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