Pierre Brice am 22. November bei Grauert
Menschengedränge

Pierre Brice in der Bahnhofshalle Düsseldorf

Bereits gegen 15 Uhr traf ich am 22. November zur Signierstunde in Düsseldorf ein. Eine wohlbekannte Melodie wies mir den Weg durch die Bahnhofshalle zur Buchhandlung Grauert. Gerade erst waren Mitarbeiter Bahnhofsbuchhandlung dabei, die Signierstunde vorzubereiten. Doch war es wahr, was meine Augen da sahen? Verbannte man Pierre wirklich in die Bahnhofhalle? Ein kleines, rotes Podest, bestückt mit einem Tisch und zwei Stühlen war vor dem Schaufenster der Buchhandlung aufgebaut. Dahinter zwei Lautsprecher aufgestellt, aus denen pausenlos die "Winnetou-Melodie" dröhnte. Zwei Scheinwerfer leuchteten das ganze Podest aus.

Bereits jetzt, wo sich erst eine handvoll Menschen angesammelt hatte, wankten die beiden Scheinwerfer bedenklich. Die Mitarbeiter der Buchhandlung schenkten diesem keinerlei Beachtung, "sicherten" stattdessen den Podestbereich mit einer roten Kordel, welche die beiden Scheinwerfer noch mehr zum Wanken brachten. Freundlich brachte ich meine Bedenken über die Standsicherheit beide Scheinwerfer einem der Mitarbeiter zum Ausdruck. Doch schien es diesem wichtiger zu sein, seine grenzenlose Unhöflichkeit zu präsentieren, als für die Sicherheit Pierres und aller Anwesenden zu sorgen. Skeptisch beobachtete ich ihr Treiben weiter.

Immer mehr Menschen versammelten sich. Grob geschätzt waren es jetzt an die hundert. Gegen 15.30 Uhr dann die ersten langen Gesichter. Offensichtlich hatte sich Buchhandlung Grauert beim Einkauf von Pierres Biografie verschätzt. Das Buch war ausverkauft, nebst Auslagen, die eiligst aus dem Schaufenster geholt wurden. Vom Verkaufseifer gepackt griff man nun auf die Werbeplakaten zurück und verkaufte diese für drei Euro das Stück.

Gegen 15.45 Uhr drängten sich noch mehr Menschen an das Podest. Einige hatten versucht eine Reihe zu bilden, um wenigstens etwas Ordnung in das entstandene Chaos zu bringen. Doch wurden sie von den Mitarbeitern nur hämisch wirkend darauf hingewiesen, dass es Autogramme nur von vorne und nicht von der Seite geben würde. Somit löste sich die Ordnung langsam wieder und entwickelte sich zum absoluten Chaos, dem die Mitarbeiter nicht mehr gewachsen waren.

Um Punkt 16 Uhr war es dann so weit. Pierre kam aus der Buchhandlung und nahm an dem kleinen Tisch auf dem roten Podest Platz. Ohne zu zögern griff er nach seinem Stift und legte los. Bestens gelaunt und unterschreibungswütig wirkend. Auch wenn man darauf hinwies, dass nur Bücher unterschrieben werden, unterschrieb Pierre fleißig alles, was ihm gereicht wurde.

Als ich mich endlich an das Podest vorgekämpft hatte, bewies Pierre wieder einmal mehr, dass ihm seine "Fans" (ich hasse dieses Wort) am Herzen liegen. Von sich aus begann er sofort ein kurzes Gespräch mit mir. Rechne ich einmal grob zurück, kennen wir uns jetzt seit 25 Jahren. Aufgrund der Menschenmassen konnte es leider nur bei einigen wenigen Worten bleiben.

Kurz vor Ende der Signierstunde wurden meine anfänglichen Befürchtungen dann leider doch wahr. Ein Scheinwerfer hielt dem Druck nicht mehr Stand und fiel. Knapp an Pierres Kopf vorbei. Knallte direkt vor die Schaufensterscheibe, die, oh Wunder, nicht zerbrach. Pierre zeigte nach außen hin mal wieder Gelassenheit. Er schrieb weiter. Aber ich denke, der Schrecken, den ich bekam, steckte auch ihm in den Knochen.

Bleibt ihm am Ende nur zu wünschen, dass weitere Signierstunden der PR-Tour an anderen Orten professioneller organisiert werden, als es von der Bahnhofsbuchhandlung Grauert gemacht worden war. Viele Signierstunden habe ich erlebt. Doch solche Zwischenfälle gab es bis zu diesem Tag nie.

Text und Fotos: Andreas Patricio, ehem. Kraft