Orden der französischen Ehrenlegion

Pierre Brice ist jetzt Ritter der Ehrenlegion

Aufgeregt wie selten zuvor war Pierre Brice Anfang Juni. Schließlich wird man auch nicht alle Tage zum Ritter ernannt. Der französische Botschafter Claude Martin verlieh Pierre Brice in der Botschaft in Berlin das Kreuz der französischen Ehrenlegion - der höchsten Auszeichnung, die Frankreich zu vergeben hat. "Sie hätten es schon viel früher verdient, diese Auszeichnung zu erhalten", sagte Claude Martin, "doch jetzt bin ich sehr stolz, sie Ihnen überreichen zu dürfen." Die Verleihung fand im kleinen Kreis statt, die Anzahl der Gäste ist bei solchen Verleihungen in der Botschaft stets limitiert. Dadurch, dass die Verleihung von Ende Mai auf Anfang Juni verlegt wurden musste, konnten Theo Waigl und Christian Schwarz-Schilling, der Pierre Brice vor 15 Jahren das Bundesverdienstkreuz verliehen hatte, nicht an der Zeremonie teilnehmen. Auch Produzentin Regina Ziegler war verhindert, allerdings hat sich Pierre Brice noch am Abend mit ihr getroffen. Neben seiner Frau Hella haben Pierre Brice' Großcousin Olivier Castel, Rechtsanwalt Gunther Fette, Toni Bunte (organisierte den Pierre-Brice-Hilfskonvoi) und Thomas Claaßen an der Verleihung teilgenommen.

Übersetzung der Rede des Botschafters Claude Martin:

"Meine Damen, meine Herren, liebe Freunde, lieber Pierre Brice,
Es ist für mich eine große Freude, Ihnen heute in Anwesenheit Ihrer Familie und Ihrer Freunde im Namen des Präsidenten der französischen Republik, die Insignien des Ritters der Ehrenlegion überreichen zu können. Diese französische Auszeichnung, wird Ihnen, lieber Pierre, aufgrund Ihres Engagements im europäischen Kino verliehen.
Ich werde versuchen, Ihre künstlerische Karriere, die in mehreren Talenten begründet ist, in einigen Worten nachzuzeichnen.
1929 erblicken Sie in Brest das Licht der Welt. Nachdem Sie in der französischen Armee in Indochina und Algerien gedient haben, lassen Sie sich in Paris nieder und werden ein Mann der Bühne - und das gegen den Willen Ihrer Eltern. 1951 beginnen Sie Ihren Unterricht beim russischen Schauspieler Gregory Chmara.
Nachdem Sie Ihren Lebensunterhalt mit vielen unterschiedlichen Berufen wie Fotomodel oder akrobatischer Tänzer verdient haben, machen Sie Ihre ersten Schritte auf den Brettern. Sie spielen vor allem in Stücken klassischer Autoren wie "Le mari jaloux" von Dostoievski, "Le cadavre vivant" von Tolstoi oder "Lucrèce Borgia" von Victor Hugo.
1954 erhalten Sie Ihre erste Rolle im Kino an der Seite von Eddie Constantine in dem Film "Ça va barder" von John Berry. Später spielen Sie in italienischen und spanischen Filmen an der Seite der größten Schauspieler Italiens und Frankreichs: Sophia Loren, Marcello Mastroianni, Jean-Paul Belmondo, Catherine Deneuve, Claude Rich, Michèle Morgan oder Bourvil.
1962 reisen Sie zum ersten Mal nach Deutschland. Grund ist die Präsentation des Film "Los Attracadores" von Francisco Rovira Beleta, der ausgewählt wurde, Spanien beim Berliner Filmfestival zu repräsentieren.
Dieses Jahr markiert einen Wendepunkt in Ihrem Leben. In der Tat treffen Sie auf diesem Festival den Produzenten Horst Wendland. Sofort sieht er in Ihnen die Verkörperung Winnetous, des Häuptlings der Apachen in den Werken Karl Mays.
Da Ihnen diese Figur unbekannt ist, lesen Sie französische Versionen, bevor sie zur Freude der deutschen Jugend diese Rolle akzeptieren. Der Erfolg stellt sich sofort ein. Zwischen 1962 und 1998 spielen die Rolle des Winnetous in elf Kinofilmen und zwei Fernsehproduktionen. Sie geben sich aber nicht damit zufrieden, die Rolle auf einer Leinwand zu spielen. Innerhalb von 15 Jahren spielen Sie Winnetou auf der Bühne im Rahmen von Karl-May-Festspielen.
Wenn Ihnen diese Rolle auch Bestätigung in Form von zahlreichen Preisen gegeben hat, stammt die schönste Anerkennung vom Volk der Winnebagos, ein Stamm vom Ursprung Winnetous. Berührt davon, dass Sie die Rechte des roten Mannes nach außen tragen, haben sie Ihnen 1991 den Titel "Regenbogenmann" verliehen.
Ihre Karriere ist bestimmt durch Rollen im Kino, im Fernsehen und im Theater. Aber seit 1965 fügt sich ein weiteres Band Ihrem Regenbogen zu. Sie fassen Fuß in der Musik und bringen Ihre erste Platte mit dem Titel "Ich steh' allein" und "Ribanna" heraus.
Genauso wie Sie ein Mann der Bühne sind, sind Sie auch ein Mann des Herzens. Bedingungslos setzen Sie sich für die Anerkennung von Menschenrechten ein und kämpfen gegen die Not von Kindern. Daher führen Sie 1995 einen Hilfskonvoi nach Bosnien. Später werden Sie UNICEF-Botschafter.
Wir danken Ihnen, lieber Pierre, sowohl für alle Ihre Aktionen im kulturellen und humanitären Bereich als auch für das Bild Frankreichs, das Sie in Deutschland und im Ausland verbreitet haben.
Pierre Brice, im Namen der französischen Republik ernennen wir Sie zum Ritter der Ehrenlegion."


Pierre Brice war bei der Rede sehr gerührt und musste sich die ein oder andere Träne aus den Augen wischen.

Er bedankte sich seinerseits mit folgender Rede (in Übersetzung):

"Exzellenz,
die Worte, die Sie gerade an mich gerichtet haben, die Feierlichkeit dieses Ortes, der herrliche Blutfleck (= der Orden) am Revers meines Jackets, die Anerkennung meines Landes, Frankreichs, dem ich unter Lebensgefahr gedient habe und das ich so liebe, die Anwesenheit der Menschen, die ich liebe, all das vereint hat mein Herz berührt. Sehr tief berührt.
Ich gebe es ohne mich zu schämen zu: Ich liebe Ehrungen. Diejenigen, die mir gerade jetzt zuteil werden, erfüllen mich mit Stolz. Ich hatte nicht oft das Privileg, eine französische Botschaft zu betreten. Ein erstes Mal in Bonn, wo ich aus Initiative meines Freundes, des ehemaligen Ministers Christian Schwarz-Schilling das Bundesverdienstkreuz erster Klasse erhalten habe. Heute werde ich in Berlin, das wieder zur großen Hauptstadt eines großen Landes, Deutschlands, geworden ist, zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Eine französische und eine deutsche Medaille Seite an Seite am Revers meines Jackets - was für ein Symbol!
Die Germanen und die Gallier sind wieder vereint. Der Lohn des Friedens - für immer.
Wer hätte das gedacht?
Ich möchte Ihnen, Herr Botschafter, gerne danken. Ich würde viel lieber sagen: meinem Freund, dem Botschafter. Darf ich?
Ihre Intervention beim ehemaligen Präsidenten Jacques Chirac war von einer hohen Wichtigkeit und führte zu der heutigen Zeremonie, die, um Kant zu zitieren, meinem Ego sehr schmeichelt.
Ein großes Dankeschön an meinen Groß-Cousin Olivier Castel, Sohn von Colonel Yves Castel und Bruder des Admirals gleichen Namens. Als parlamentarischer Abgeordneter war er der Initiator dieses Schrittes, den ich ohne ihn nie gesetzt hätte. Danke Olivier.
Danke Marie Jo und Gunther Fette für Eure freundschaftliche Unterstützung und die Schritte, für die Ihr Euch die Mühe gemacht habt, sie einzuleiten.
Ich danke Toni Bunte, meinem freundschaftlichen Partner an meiner Seite beim Pierre-Brice-Hilfskonvoi nach Bosnien.
Danke Thomas Claaßen für Deine bedingungslose Freundschaft.
Danke Regina Ziegler und Wolf Gremm, dass Ihr mich mit Eurer Anwesenheit ehrt.
Danke schön Frankreich - danke schön Deutschland!"


Nach der Auszeichnung, die von zahlreichen Medienvertretern in Wort und Bild festgehalten wurde, lud der Botschafter zum Mittagessen ein.

Doch dann rief auch schon wieder die Arbeit. Interviews und diverse Gespräche über die nächsten Projekte standen an - über die wir hoffentlich bald berichten können, wenn Sie sich verfestigt haben. Pierre Brice hat noch eine Menge vor - und man hat mit ihm noch eine Menge vor …

Fotos und Bericht: © Thomas Claassen