Pierre Brice als Kind
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Erstkommunion von Pierre Brice
Erstkommunion
Pierre Brice als Teenager
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Pierre Brice in Berlin
Pierre Brice in Berlin
Pierre Brice und Linda Christian
Linda Christian
Pierre Brice liebt Tiere
Pierre Brice liebt Tiere
Autogrammstunde in Gießen
Gießen 1978
Kassel 1979
Kassel 1979
Pierre Brice mit Pagagei
Pierre Brice in Bottrop
Hochzeit
27.06.1981
Hochzeitsreise
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Urlaub
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Pierre Brice mit Bambi
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Die Hütte am See
Pierre Brice unter Palmen
Unter Palmen
Frankfurt 2003
Rubrik Pierre Brice privat
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„Mein wahres Leben“

Ein ganz normaler Mittwoch im Februar in der französischen Stadt Brest. Der erste Mittwoch in diesem Monat, der 6. Februar - im Jahr 1929. An diesem Tag blinzelt ein kleiner Bretone zum ersten Mal ins Tageslicht. Nein, mit Winnetou hat der kleine Erdenbewohner noch nicht viel zu tun. Seine stolzen Eltern taufen ihn auf den Namen Pierre Louis le Bris.

Pierre Brice, wie er sich später nennen wird, kommt als zweites Kind einer altadligen Familie zwischen den beiden Weltkriegen zur Welt. Der Vater ist Marineoffizier, die Mutter zieht Pierre und seine Schwester Yvonne groß. Die Geschwister werden religiös und mit einer gesunden Portion Patriotismus erzogen.
Pierre ist elf Jahre alt, als die Nazis in Frankreich einmarschieren. Der Vater kämpft in der Résistance, im Widerstand; Pierre, seine Mutter und seine Schwester fliehen in das kleine Dorf Lesneven und suchen Unterschlupf bei seiner Tante.

Pierre schämt sich für die französische Armee, die sich scheinbar nicht gegen den Feind aus Deutschland wehren kann, und beschließt, etwas für sein Land zu tun. Mit 15 Jahren ist Pierre Anhänger Charles de Gaulles' und schließt sich dem Widerstand an. Er arbeitet als Botenjunge und lernt die Schrecken des Krieges kennen. Er lernt aber auch, die Menschen zu unterscheiden und nicht alle Deutschen mit den Nazis über einen Kamm zu scheren.

Nach Kriegsende geht Pierre Brice mit dem Militär für zwei Jahre nach Algerien und wird zum Froschmann ausgebildet. Dann zum Fallschirmjäger, der vier Jahre lang in Indochina, dem heutigen Vietnam, kämpft. In dieser Zeit lernte Pierre Brice was es heißt, Kameraden und Freunde zu haben. "Nie wieder", wird er später sagen, "hatte ich so gute Freunde wie beim Militär."

1951 kehrt Pierre Brice aus Indochina zurück. Mit drei Tapferkeitsmedaillen und Erfahrungen, die sein weiteres Leben geprägt haben. Er möchte gerne Schauspieler werden, doch sein Vater sähe seinen Sohn lieber in einem "anständigen" Beruf. Adel verpflichtet. Er setzt sich gegen seine Eltern durch und nimmt Schauspielunterricht bei dem russischen Schauspieler Grégory Chmara. Die erhofften Engagements bleiben aber anfangs aus. Anstatt auf der Bühne zu stehen und Filme zu drehen, verkauft Pierre Schreibmaschinen, arbeitet als Model für Werbung und Fotoromane und schließt sich der Artistengruppe "Trio Gansser" als akrobatischer Tänzer an.

1954 kommt seine Karriere allmählich ins Rollen. In dem Film "Ça va barder" (Harte Fäuste - heißes Blut) hält Pierre Brice dem berühmten Eddie Constantine die Tür auf. Er dreht mit Michèle Morgan, spielt im Theater Leo Tolstoi und Victor Hugo. Die meisten Angebote jedoch kommen aus Spanien und Italien, wo Pierre Brice hauptsächlich dreht und sehr erfolgreich wird.

Der spanische Film "Los Atracadores" führt Pierre Brice 1962 erstmals nach Deutschland, wo der Film auf der Berlinale präsentiert wird. Neben Dutzenden von Produzenten ist ein Berliner unter ihnen, der von seinem Sohn einen Floh ins Ohr gesetzt bekam. Der Steppke meinte zu seinem Vater, dass der nicht nur Edgar-Wallace-Filme drehen sollte, sondern auch mal Karl-May-Filme. Das Drehbuch für "Der Schatz im Silbersee" war fertig, Lex Barker hatte für die Rolle des "Old Shatterhand" zugesagt, nur der zweite Hauptdarsteller fehlte noch: "Winnetou". Dieser Produzent war Horst Wendlandt. Er sah Pierre Brice und wusste sofort: "Das ist mein Winnetou!" Wendlandt sprach Pierre Brice zwar nicht an, dafür starrte er ihn an. Als er sich entschließt, Pierre Brice anzusprechen, ist dieser längst abgereist.

Einige Wochen später stößt Wendlandt über Ivan Desnys Agentin auf Pierres Managerin. Pierre befindet sich auf einem Segeltörn auf seiner Yacht vor Cannes, als seine Managerin ihm vom Angebot aus Berlin erzählt. Er ist skeptisch: Er soll einen Indianer spielen? Von einem Karl May hatte er noch nie was gehört. Er besorgt sich eine französische Winnetou-Ausgabe und ist von der Figur begeistert. Er sagt zu und 14 Tage später beginnen die Dreharbeiten in Jugoslawien.

Bis zur Premiere des Films "Der Schatz im Silbersee" war nicht vorhersehbar, wie viel Erfolg Pierre Brice mit dieser Rolle haben sollte, die ihm ewig anhaften wird. Schon während der Dreharbeiten zu "Winnetou III" rollt 1965 eine Protestwelle durch Deutschland, als Winnetou im letzten Teil der Trilogie sterben sollte. Die Menschen gehen auf die Barrikaden und bombardieren Produzent Wendlandt mit Briefen. Mit dem Versprechen, dass trotz Winnetous Tod weitere Winnetou-Filme folgen, kann er die aufgebrachten Massen beruhigen.

Von 1962 bis 1968 verkörpert Pierre Brice den Apachen-Häuptling elfmal auf der Kino-Leinwand. Er avanciert zum Mega-Star schlechthin. Das Jugendmagazin "BRAVO" hievt ihn 56 Mal auf die Titelseite - außer Nena schaffte niemand diesen Rekord - und widmet ihm drei Starschnitte. Der BRAVO-Otto bekommt Winnetous wegen die Figur eines Indianers; 12 Mal erhält Pierre Brice diese Publikums-Auszeichnung, davon neunmal in Gold. Unter anderem wurde er bis heute mit fünf Bambis und der Goldenen Kamera ausgezeichnet.

Pierre Brice versucht sich auch als Sänger. Seine Fans, die Winnetous echte Stimme hören wollten, brachten ihn dazu. 1965 landet Pierre mit dem Lied "Ich steh allein" sogar auf Platz Drei der BRAVO-Musikbox - vor ihm sind die Beatles und die Rolling Stones platziert. Bis heute frönt Pierre Brice der Lust am Singen und brachte schon mehrere Platten und CDs heraus.

Nach dem Ende der Karl-May-Welle versucht Pierre Brice an seinen Erfolg als "Winnetou" anzuknüpfen, doch das Publikum akzeptiert ihn nicht in dem Maße wie mit hirschledernem Kostüm und schwarzer langhaariger Perücke. 1976 spielt Pierre Brice dann wieder die Rolle seines Lebens - live und vor Publikum. Die sauerländische Naturbühne in Elspe führt schon seit vielen Jahren Karl-May-Stücke auf. In diesem Jahr gelingt der Clou: Pierre Brice spielt Winnetou. Bis 1986 spielt er - mit einer Unterbrechung 1981 - zehnmal den Apachen-Häuptling und sorgt für neue Zuschauerrekorde.

1979 dreht Pierre in Mexiko für den WDR die Serie "Mein Freund Winnetou". Bis auf die Namen der Titelfiguren haben die einzelnen Geschichten nichts mit Karl May zu tun, dafür zeigen sie ein reales Bild der Indianer und vermitteln deren Mentalität. Pierre setzt sich mit ihrer Geschichte auseinander und bringt seine Erfahrungen fortan in Elspe in seine Rolle ein.

1981 heiratet er Hella Krekel, mit der er seit 1978 zusammen lebt. Eine Winnetou-Tournee im selben Jahr scheitert, weil der Veranstalter des Musicals Geld veruntreut hat. Nach nur wenigen Auftritten wird die Tournee vorzeitig abgebrochen.

Von 1988 bis 1991 spielt Pierre Brice im Kalkberg-Stadion in Bad Segeberg. Die Bücher zu den Stücken schreibt Pierre selbst. Eigentlich wollte er 1990 mit "Winnetous letzter Kampf" seinen Abschied in Bad Segeberg geben, doch ihm wurde eine so große Welle der Sympathie zuteil, dass er für das folgende Jahr "Winnetou - Das Vermächtnis" schrieb. In Rückblenden lässt Sam Hawkens die wichtigsten Stationen aus Winnetous Leben Revue passieren. Von den Winnebago-Indianern, die aus Nebraska anreisten, erhält Pierre Brice am Premierenabend eine besondere und für ihn bedeutsame Auszeichnung: Die Winnebagos geben ihm den Namen "Rainbow-Man". Sie finden es erstaunlich, dass sich ein Franzose in Deutschland in dieser Weise für ihre Rechte einsetzt.

Pierre Brice steht wie kein anderer als Beispiel für die deutsch-französische Freundschaft. Dafür und für die Werte vermittelnde Darstellung des Winnetou erhält er 1992 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse.

1997 zieht Pierre Brice das Winnetou-Kostüm erneut an. Im ZDF-Zweiteiler "Winnetous Rückkehr" spielt Pierre Brice einen älteren und reiferen Winnetou, der den vermeintlichen Todesschuss überlebt hat und seitdem in den Bergen lebt.

1999 kehrt Pierre Brice noch einmal an den Segeberger Kalkberg zurück, diesmal als Regisseur der Inszenierung "Halbblut". In diesem Jahr wird er vom Karl-May-Archiv für sein Wirken um und für Karl May mit dem "Scharlih" geehrt.

Neben seiner Arbeit für Theater und Fernsehen engagiert sich Pierre Brice immer wieder für Menschenrechte und Kinder in Not. 1995 führt er einen zwei Millionen Mark schweren Hilfskonvoi nach Bosnien an, das vom Bürgerkrieg zerstört wurde. Er wird UNICEF-Botschafter und reist nach Kambodscha, wo er Kinder besucht, die Opfer von Landminen wurden. Die Minen haben die Kinder verstümmelt oder nahmen ihnen die Eltern. 2000 wird Pierre Brice mit dem Thomas-Morus-Preis für sein Engagement ausgezeichnet.

Friede, Freiheit, Toleranz und Menschenwürde, das sind die Ideale, die Pierre Brice vertritt und für die er kämpft.

Heute lebt er mit seiner Frau Hella, Pferden, Hunden, Schafen und Schweinen auf einem Landsitz in der Nähe von Paris und hat seine Autobiografie geschrieben, die am 20. September 2004 erschienen ist.