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© 2000 - 2010 Dr.-Ing. Martina Schneider
for Pierre Brice
Impressum |
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| Fotos: © Thomas Claaßen, 2005 |
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Für den Spendenmarathon von RTL übernahm Pierre Brice die Patenschaft für ein Hilfsprojekt
auf Sri Lanka
"Ich sehe das Meer jetzt mit anderen
Augen"
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Es war wirklich kein
schöner Anblick, der sich Pierre Brice bot: auf der einen
Seite zerstörte Häuser, Flüchtlingszelte, Gräber - auf
der anderen Seite das Meer mit seinen drei bis vier Meter
hohen Wellen und einer ohrenbetäubenden Brandung, das
so vielen Menschen den Tod brachte. Mehr als 30.000 Menschen
ließen allein auf Sri Lanka durch den Tsunami an Weihnachten
letzten Jahres ihr Leben. Als der Fernsehsender RTL bei
Pierre Brice anfragte, ob er die Patenschaft für ein privates
Kinder-Hilfsprojekt auf Sri Lanka übernehmen wolle, sagte
er sofort zu. Im Sommer reiste er mit einem TV-Team nach
Galle im Süden Sri Lankas, wo der Tsunami mit voller Wucht
zugeschlagen hatte.
Schon vor vielen Jahren hat TV-Journalist Michael Kreitmeir
die Zelte in seiner Heimat Deutschland weitgehend abgebrochen
und lebt seitdem auf Sri Lanka, wo er sein Hilfsprojekt
"Little Smile" ins Leben rief. Er baute Häuser und Zentren
für Kinder, die im Bürgerkrieg, der besonders im Osten
den Landes noch immer herrscht, ein oder beide Elternteile
verloren haben, um ihnen eine Ausbildung und somit eine
Zukunft zu ermöglichen. Viele der Kinder, die er aufgenommen
hat, haben in ihren Familien Misshandlungen erlebt oder
sind geflohen, um nicht als Kindersoldaten im Bürgerkrieg
zu sterben. Mit seinem Hilfsprojekt hat sich Michael Kreitmeir
nicht nur Freunde gemacht. Schon mehrfach wurde er von
Rebellen angegriffen. Der Tsunami hat viele Todesopfer
gefordert. Viele Kinder, die zu Waisen wurden, kamen in
die Little-Smile-Zentren. Um diese und die anderen Kinder
bestmöglich zu betreuen, soll jetzt ein neues Krankenhaus
gebaut werden, in dem die Kinder nicht nur medizinisch,
sondern vor allem auch psychisch betreut werden. Unterstützt
wird dieses private Hilfsprojekt Michael Kreitmeirs von
der UNESCO. Mittlerweile haben andere grauenvolle Katastrophen
wie das Erdbeben in Pakistan die Bilder in den Köpfen
der Menschen ersetzt. Trotzdem dürfen die Kinder Sri Lankas
nicht vergessen werden. Viel Geld ist schon geflossen,
teilweise warten die Leute noch immer darauf, dass sie
es erhalten. Doch das Little-Smile-Projekt ist ein privates
Hilfsprojekt, und die Gelder werden nicht durch die Regierung
geschleust - sie landen direkt dort, wo sie benötigt werden.

Als Pierre Brice in Galle ankam, herrschte dort tags wie
nachts eine Temperatur von 30 - 35°C und eine nahezu erdrückende
Luftfeuchtigkeit. Mehr als 85.000 Gebäude wurden durch
den Tsunami zerstört, die Trümmer waren noch immer zu
sehen. Besonders im Osten des Landes wird es lange dauern,
bis dort wieder alles aufgebaut wird, wenn dies überhaupt
möglich ist. Durch die Bürgerkriegsgefahr und Rebellen
ist es schwierig, Arbeitskräfte für diese Region zu finden.
Pro Jahr können nur 3.000 bis maximal 5.000 Häuser wieder
neu aufgebaut werden - die elenden Zustände in den Zeltstädten
werden also noch lange anhalten. Auch ein Krankenhaus
in Galle wurde komplett zerstört. Pierre Brice besuchte
das Krankenhaus, das dem Tsunami Stand gehalten hatte
und jetzt für den gesamten Süden Anlaufstelle für die
Kranken des Landes war. Vor dem Eingang wartete eine 100
Meter lange Menschenschlange auf Einlass. Für Mütter mit
Kindern gab es einen separaten Eingang, doch auch dort
drängelten sich die Massen. "Die Zustände in dem Krankenhaus
sind katastrophal", beschreibt Pierre Brice seine Eindrücke.
"Es ist so heiß da drinnen, es gibt keine wirkliche Hygiene.
Es gibt keine Krankenzimmer, alle Betten stehen auf den
Fluren, und die Mütter sitzen auf einer Bank neben dem
Bett ihres Kindes und schlafen dort auch. Es ist furchtbar."
Viele der Kinder, die Pierre Brice gesehen hat, waren
sterbenskrank.
Am Strand wurde die Macht der Flutwelle an einem alten
Kriegsschiff deutlich, das aus dem Wasser ca. 100 Meter
aufs Land getragen wurde. Nach dem Tsunami waren die Boote
der Fischer zerstört, sie konnten nicht aufs Meer fahren.
Nachdem die ersten Hilfsgelder geflossen waren, haben
sich viele Menschen ein Boot gekauft; auch die, die sonst
angeheuert hatten, fahren jetzt selbst zum Fischen hinaus.
Es droht eine Überfischung. Ein Fischer verdient umgerechnet,
wenn es gut läuft, 2 € am Tag. Das reicht gerade, um eine
Person zu ernähren - nicht aber eine Familie. Unglaublich
viele Menschen sind ohne Obdach, viele leben in Zeltstädten.
Oder besser: sie vegetieren. In den Zelten herrschen Temperaturen
von 50 bis 60°C, es ist nahezu unmöglich, dort zu atmen.
Als Pierre Brice unter den Kindern Fußbälle und Stoff-Frisbeescheiben
verteilte und mit ihnen spielte, war die Freude der Kinder
groß, die wenig Gelegenheiten haben, sich abzulenken.

Auf dem Weg zu einem kleinen Mädchen fuhr Pierre Brice
an zahllosen Gräbern am Straßenrand vorbei. Viele waren
anonym. Nicht alle Opfer konnten identifiziert werden,
sie wurden in Massengräbern verscharrt, die jetzt teilweise
als Mülldeponien genutzt werden. Auf einem Friedhof, rund
400 Meter vom Strand entfernt, waren mehrere Opfer begraben,
die durch den Tsunami oder dessen Folgen ihr Leben verloren
haben. Auf der Spitze eines Hügels hat die Familie von
der 13-jährigen Miami ihr Haus. Es wurde von "Little Smile"
neu gebaut, nachdem ihr altes Haus vom Tsunami zerstört
wurde. Miami musste mit ansehen, wie ihr die Flutwelle
den Vater nahm. Sie war traumatisiert. Erst ein gutes
halbes Jahr später begann sie wieder ganz allmählich zu
sprechen. Es war ein ergreifendes Zusammentreffen für
Pierre Brice.
"Im Zentrum von Michael Kreitmeir habe ich viele Bilder
gesehen, die Kinder gemalt haben, um das Unglück zu verarbeiten.
Sie haben das Meer gemalt und Menschen ohne Gesichter:
Geister, ihre toten Eltern. Diese Eindrücke haben mich
tief bewegt. Es ist wichtig, dass Michael Kreitmeir sein
neues Zentrum bauen kann, damit diesen Kindern geholfen
werden kann und sie nicht vor einer ausweglosen Zukunft
stehen." So schön auch einzelne Strandabschnitte anzusehen
waren: "Man sieht das Meer jetzt mit ganz anderen Augen.
Die Brandung ist jetzt schon so stark. Die Macht des Tsunamis
muss enorm gewesen sein", sagt Pierre Brice mit einem
nachdenklichen Blick aufs Meer. "Ich werde diese Bilder
nie in meinem Leben vergessen." |
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