PersonenDarsteller
Winnetou Pierre Brice
General Günther Panak
Sam Hawkens Toni Wagner
Ribanna Trixi Danell
Charbonneau Jean Claude Deret
Mother Thick Olga Valery
Karl May/General Cook Harry Hornisch
Old Firehand Dieter Assmann
Til-lata Claus Sasse
Harry Olliver Kastl Bernhard Rabl
Mario Luraschi
und die "Cascadeurs de Paris"
Pierre Brice mit Thomas Egg
Pierre Brice mit Jean-Claude Deret
nach der Vorstellung
Autogrammstunde nach der Vorstellung
 
 
 
 
 
 
 
Die Karl-May-Filme mit Pierre Brice
Die Karl-May-Festspiele mit Pierre Brice
  Karl-May-Festspiele Elspe
   Winnetou, der Apache
  Winnetou-Tournee
  Das Geheimnis des Feuerberges
  Winnetou im Wilden Osten
   Karl-May-Festspiele Bad Segeberg
Fernsehserien mit Winnetou

Winnetou, der Apache

Winter 1979: Die Karl-May-Festspiele Elspe haben mit "Winnetou I" in Wien ihr zweites Gastspiel. Der Wiener Stadthallenchef Peter Huemer beauftragte Pierre Brice mit der Inszenierung einer Winnetou-Produktion für die kommende Vorweihnachtszeit. In 3 Monaten schrieb Pierre Brice zusammen mit dem französischen Drehbuchautor Jean-Claude Deret ("Mein Freund Winnetou", "Claire - Se souvenir des belles choses", "Gilles prend la Bastille") das Skript zu "Winnetou, der Apache". Den berühmten Pferdeausbilder Mario Luraschi, der mit Pierre Brice eng befreundet ist, beauftragte Pierre Brice mit der Auswahl der Pferde und der Herstellung authentischer Kostüme. In Paris begannen Pierre Brice, Mario Luraschi (http://www.luraschi.com/) und seine 10köpfige Stuntmen-Gruppe im Oktober mit dem Training der 22 Pferde und der spektakulären Action- und Kampfszenen. U.a. musste sich Winnetou zweier Fackelträger erwehren oder durch eine Sperrholzwand reiten. Diesen besonderen Trick studierte Mario Luraschi mit dem gelehrigen Juanito - den andalusischen Hengst, den Pierre Brice 1978 extra für die Karl-May-Festspiele Elspe ebenfalls über Mario Luraschi erwarb, vorher sorgfältig ein.

Die eindrucksvolle 54 m breite Dekoration wurde von dem österreichischen Bühnenarchitekten Florian Dorjath entworfen. Sie wurde auf 2 Ebenen angelegt und nahm 1/3 der zum Wilden Westen umgebaute Wiener Stadthalle in Anspruch. Die 12.000 Sitzplätze wurden deshalb auf 5.000 reduziert. Von Anfang September 1980 bis zum Premierentag waren die Bühnenbildner beschäftigt, die 16 m hohe Bühnendekoration aus Leinen, Holz, Drahtgitter, Gips und Farbe in Eigenbau herzustellen. 320 t Sand wurden in die Halle transportiert. Die Bühne war aufgeteilt in zwei Spielorte - der kleinen mexikanischen Stadt der Weißen Mesa del Cobre und dem in einer Felsenkulisse gelegenen Apachendorf. Zwischen Mesa del Cobre mit seinen kleinen weißen, flachen Steinhäusern, einer Taverne und einer kleinen Kirche sowie dem Lager der Apachen mit den Gräbern Inschu-tschunas und Nscho-tschis liegt das Niemandsland: der Tummelplatz für die zahlreichen Action-Szenen und Trasse der Eisenbahn, die unter Dampf stehend bei jeder Aufführung aufgefahren wurde. Erst nach langwierigen Verhandlungen mit den Behörden wurde die Lok, d. h. die Zillertalbahn, am 11. November 1980 aus dem Zillertal nach Wien gebracht.

Im November 1980 traf das Ensemble, bestehend aus 50 Mann, zu den letzten Proben ein. Bis zuletzt allerdings blieb die Rolle von Old Firehand's Sohn Harry unbesetzt. 180 Bewerber meldeten sich auf die Anzeige in einer österreichischen Tageszeitung. Unter 30 Bewerbern entschied sich Pierre Brice für die beiden Wiener Jungen Bernhard Rabl und Olliver Kastl. Nur noch 1 Woche, eigentlich nur noch 3 Tage blieben Pierre Brice und Mario Luraschi das Stück unter der Regie des Elspe erfahrenen Karl-Heinz Walther vollständig durchlaufen zu lassen. Ein Teil der Requisiten traf verspätet ein, ein Pferd erkrankte und Schauspieler sowie Statisten probten den Aufstand, weil sie mit den Arbeitsbedingungen nicht einverstanden waren.


Am 27. November 1980 bestand "Winnetou, der Apache" seine erste Feuerprobe. Insgesamt 17 Tage in 32 Vorstellungen kämpfte Winnetou für Gerechtigkeit, Recht und Ordnung: werktags jeweils 2, an Sonn- und Feiertagen jedoch bis zu 3 mal am Tag. Als am 15. Dezember der imaginäre Vorhang fiel, hatten 160.000 Zuschauer "Winnetou, der Apache" gesehen. Vor und nach den Spielen sowie in den Pausen, konnten sich Sammler neben Programmheften, Autogrammkarten, Plakaten auch mit der Single von Pierre Brice "Manitou/ Freundschaft", die als Erkennungsmelodie eingespielt wurde, versorgen. Letztere entwickelte sich zum Verkaufsschlager und war innerhalb von 3 Tagen vergriffen und musste in Köln nachbestellt werden.

Mit von der Partie waren die beiden Freunde von Pierre Brice: Drehbuchautor, Schriftsteller und Schauspieler Jean-Claude Deret und Stuntman sowie Pferdeausbilder Mario Luraschi. Jean-Claude Deret, der zum ersten Male auf einer deutschsprachigen Bühne stand, ließ es sich nicht nehmen, in Anlehnung an die Fernsehserie "Mein Freund Winnetou" die Rolle des Fotografen Charbonneau, der mit seinem Eselskarren durch den Wilden Westen zieht, zu übernehmen. Zuvor belegte er allerdings einen 4wöchigen Deutschkurs. Hinter den Kulissen sorgte er stets für Heiterkeit und in der wenigen freien Zeit frönte er in Wien seinem Hobby, dem Fotografieren. In Toni Wagner fand Pierre Brice die ideale Verkörperung des kauzigen und trunkseligen Sam Hawkens. Den Wienern war er übrigens auch als Gastronom bekannt, dessen Restaurant "GlacisBeisl" während des Gastspiels ein beliebter Treffpunkt der Akteure war. Winnetous Gegenspieler, der intrigante und abgemusterte "General", wurde von dem Wiener Schauspieler Günther Panak, gemeistert.

Von der Hektik und Aufregung hinter den Kulissen schien das Publikum nichts zu spüren. So brach sich Mario Luraschi am 4. Dezember während einer gewagten Reiterszene drei Rippen und konnte demzufolge nicht weiter auftreten. Kurzfristig wurden einige Kampfszenen geändert. Den Akteuren blieb bisweilen nicht mehr als eine Stunde Pause zwischen den einzelnen Vorstellungen, die in einem Raum bei Erfrischungsgetränken und vor einem Monitor, auf dem das Bühnengeschehen verfolgt werden konnte, verbracht wurde. Pierre Brice zog sich nach den Aufführungen meist in das Wiener Hotel "Interconti" zurück. Seinen einzigen freien Spieltag nutzte er für eine öffentliche Autogrammstunde.

Handlung:
In Santa Mesa del Corbre leben die Siedler in Frieden mit den Apachen. Eines Tages taucht der "General" mit einem Haufen fragwürdiger Kumpanen in der Stadt auf und versucht, sich an Ribanna heran zu machen, die mit ihrem zehnjährigen Sohn Harry und Sam Hawkens bei Mother Thick in der Taverne ist. Als ihr Mann Old Firehand dies mitbekommt, räumt er mit dem Gesindel tüchtig auf. Währenddessen trifft in den Bergen eine amerikanische Militärtruppe auf Winnetou, um den Friedensvertrag zu unterschreiben. Später trifft Winnetou auf Old Firehand, der seine Zweifel daran hegt, ob sich alle Indianer an den Friedensvertrag halten.

Der Apache Til-lata hat ein Plakat gefunden, auf dem 20 Dollar für einen Indianerskalp geboten werden. Er hat drei weiße Männer als Gefangene bei sich, als er ins Lager zurück kehrt. Winnetou kann ihren Tod durch einen Zweikampf verhindern. Er weiß, dass der "General" hinter diesen Plakaten steckt, der sich auch an der Kupfermine der Indianer zu schaffen machen möchte. Winnetou reitet in die Stadt und wird dort gefangen genommen, weil eine Kutsche die drei verschwundenen Weißen zurückbringt - tot. Winnetou wusste nichts davon, eine Soldatengruppe nimmt ihn mit, um den Vorfall zu klären. In den Bergen überfällt der "General" den Trupp und nimmt Winnetou gefangen, um ihn dazu zu zwingen, die Kupfermine abzutreten. Sam Hawkens, Mother Thick, Ribanna und Harry gelingt es, Winnetou zu befreien. Er nimmt Ribanna und ihren Sohn mit sich ins Lager der Apachen. Halblut Harry und seine indianischen Freunde wollen sich an die Fersen des "Generals" heften, werden allerdings von dessen Wachen entdeckt und gefangen genommen. Winnetou kann die Jungen befreien, der "General" flieht. Doch er kann seinem Schicksal nicht entkommen, die Apachen finden ihn und bereiten seinen Machenschaften ein Ende.