Winnetou, der Apache
Winter 1979: Die Karl-May-Festspiele Elspe haben mit "Winnetou
I" in Wien ihr zweites Gastspiel. Der Wiener Stadthallenchef
Peter Huemer beauftragte Pierre Brice mit der Inszenierung
einer Winnetou-Produktion für die kommende Vorweihnachtszeit.
In 3 Monaten schrieb Pierre Brice zusammen mit dem französischen
Drehbuchautor Jean-Claude Deret ("Mein Freund Winnetou",
"Claire - Se souvenir des belles choses", "Gilles
prend la Bastille") das Skript zu "Winnetou, der
Apache". Den berühmten Pferdeausbilder Mario Luraschi,
der mit Pierre Brice eng befreundet ist, beauftragte Pierre
Brice mit der Auswahl der Pferde und der Herstellung authentischer
Kostüme. In Paris begannen Pierre Brice, Mario Luraschi
(http://www.luraschi.com/) und seine 10köpfige Stuntmen-Gruppe
im Oktober mit dem Training der 22 Pferde und der spektakulären
Action- und Kampfszenen. U.a. musste sich Winnetou zweier
Fackelträger erwehren oder durch eine Sperrholzwand reiten.
Diesen besonderen Trick studierte Mario Luraschi mit dem gelehrigen
Juanito - den andalusischen Hengst, den Pierre Brice 1978
extra für die Karl-May-Festspiele Elspe ebenfalls über
Mario Luraschi erwarb, vorher sorgfältig ein. 
Die eindrucksvolle 54 m breite Dekoration wurde von dem österreichischen Bühnenarchitekten Florian Dorjath entworfen. Sie wurde
auf 2 Ebenen angelegt und nahm 1/3 der zum Wilden Westen umgebaute
Wiener Stadthalle in Anspruch. Die 12.000 Sitzplätze
wurden deshalb auf 5.000 reduziert. Von Anfang September 1980
bis zum Premierentag waren die Bühnenbildner beschäftigt,
die 16 m hohe Bühnendekoration aus Leinen, Holz, Drahtgitter,
Gips und Farbe in Eigenbau herzustellen. 320 t Sand wurden
in die Halle transportiert. Die Bühne war aufgeteilt
in zwei Spielorte - der kleinen mexikanischen Stadt der Weißen
Mesa del Cobre und dem in einer Felsenkulisse gelegenen Apachendorf.
Zwischen Mesa del Cobre mit seinen kleinen weißen, flachen
Steinhäusern, einer Taverne und einer kleinen Kirche
sowie dem Lager der Apachen mit den Gräbern Inschu-tschunas
und Nscho-tschis liegt das Niemandsland: der Tummelplatz für
die zahlreichen Action-Szenen und Trasse der Eisenbahn, die
unter Dampf stehend bei jeder Aufführung aufgefahren
wurde. Erst nach langwierigen Verhandlungen mit den Behörden
wurde die Lok, d. h. die Zillertalbahn, am 11. November 1980
aus dem Zillertal nach Wien gebracht.
Im November 1980 traf das Ensemble, bestehend aus 50 Mann, zu den letzten Proben
ein. Bis zuletzt allerdings blieb die Rolle von Old Firehand's
Sohn Harry unbesetzt. 180 Bewerber meldeten sich auf die Anzeige
in einer österreichischen Tageszeitung. Unter 30 Bewerbern
entschied sich Pierre Brice für die beiden Wiener Jungen
Bernhard Rabl und Olliver Kastl. Nur noch 1 Woche, eigentlich
nur noch 3 Tage blieben Pierre Brice und Mario Luraschi das
Stück unter der Regie des Elspe erfahrenen Karl-Heinz
Walther vollständig durchlaufen zu lassen. Ein Teil der
Requisiten traf verspätet ein, ein Pferd erkrankte und
Schauspieler sowie Statisten probten den Aufstand, weil sie
mit den Arbeitsbedingungen nicht einverstanden waren.

Am 27. November 1980 bestand "Winnetou, der Apache"
seine erste Feuerprobe. Insgesamt 17 Tage in 32 Vorstellungen
kämpfte Winnetou für Gerechtigkeit, Recht und Ordnung:
werktags jeweils 2, an Sonn- und Feiertagen jedoch bis zu
3 mal am Tag. Als am 15. Dezember der imaginäre Vorhang
fiel, hatten 160.000 Zuschauer "Winnetou, der Apache" gesehen.
Vor und nach den Spielen sowie in den Pausen, konnten sich
Sammler neben Programmheften, Autogrammkarten, Plakaten auch mit der Single von Pierre Brice "Manitou/ Freundschaft",
die als Erkennungsmelodie eingespielt wurde, versorgen. Letztere
entwickelte sich zum Verkaufsschlager und war innerhalb von
3 Tagen vergriffen und musste in Köln nachbestellt werden.
Mit von der Partie waren die beiden Freunde von Pierre Brice: Drehbuchautor,
Schriftsteller und Schauspieler Jean-Claude Deret und Stuntman
sowie Pferdeausbilder Mario Luraschi. Jean-Claude Deret, der
zum ersten Male auf einer deutschsprachigen Bühne stand,
ließ es sich nicht nehmen, in Anlehnung an die Fernsehserie
"Mein Freund Winnetou" die Rolle des Fotografen
Charbonneau, der mit seinem Eselskarren durch den Wilden Westen
zieht, zu übernehmen. Zuvor belegte er allerdings einen
4wöchigen Deutschkurs. Hinter den Kulissen sorgte er
stets für Heiterkeit und in der wenigen freien Zeit frönte
er in Wien seinem Hobby, dem Fotografieren. In Toni Wagner
fand Pierre Brice die ideale Verkörperung des kauzigen
und trunkseligen Sam Hawkens. Den Wienern war er übrigens
auch als Gastronom bekannt, dessen Restaurant "GlacisBeisl"
während des Gastspiels ein beliebter Treffpunkt der Akteure
war. Winnetous Gegenspieler, der intrigante und abgemusterte
"General", wurde von dem Wiener Schauspieler Günther
Panak, gemeistert.
Von der Hektik und Aufregung hinter den Kulissen schien das
Publikum nichts zu spüren. So brach sich Mario Luraschi
am 4. Dezember während einer gewagten Reiterszene drei
Rippen und konnte demzufolge nicht weiter auftreten. Kurzfristig
wurden einige Kampfszenen geändert. Den Akteuren blieb
bisweilen nicht mehr als eine Stunde Pause zwischen den einzelnen
Vorstellungen, die in einem Raum bei Erfrischungsgetränken und vor einem Monitor, auf
dem das Bühnengeschehen verfolgt werden konnte, verbracht
wurde. Pierre Brice zog sich nach den Aufführungen meist
in das Wiener Hotel "Interconti" zurück. Seinen
einzigen freien Spieltag nutzte er für eine öffentliche Autogrammstunde.
Handlung:
In Santa Mesa del Corbre leben die Siedler
in Frieden mit den Apachen. Eines Tages taucht der "General"
mit einem Haufen fragwürdiger Kumpanen in der Stadt auf
und versucht, sich an Ribanna heran zu machen, die mit ihrem
zehnjährigen Sohn Harry und Sam Hawkens bei Mother Thick
in der Taverne ist. Als ihr Mann Old Firehand dies mitbekommt,
räumt er mit dem Gesindel tüchtig auf.
Währenddessen trifft in den Bergen eine amerikanische
Militärtruppe auf Winnetou, um den Friedensvertrag zu
unterschreiben. Später trifft Winnetou auf Old Firehand,
der seine Zweifel daran hegt, ob sich alle Indianer an den Friedensvertrag halten.
Der Apache Til-lata hat ein Plakat gefunden, auf dem 20 Dollar
für einen Indianerskalp geboten werden. Er hat drei weiße
Männer als Gefangene bei sich, als er ins Lager zurück
kehrt. Winnetou kann ihren Tod durch einen Zweikampf verhindern.
Er weiß, dass der "General" hinter diesen
Plakaten steckt, der sich auch an der Kupfermine der Indianer
zu schaffen machen möchte. Winnetou reitet in die Stadt
und wird dort gefangen genommen, weil eine Kutsche die drei
verschwundenen Weißen zurückbringt - tot. Winnetou
wusste nichts davon, eine Soldatengruppe nimmt ihn mit, um
den Vorfall zu klären. In den Bergen überfällt
der "General" den Trupp und nimmt Winnetou gefangen,
um ihn dazu zu zwingen, die Kupfermine abzutreten. Sam Hawkens,
Mother Thick, Ribanna und Harry gelingt es, Winnetou zu befreien.
Er nimmt Ribanna und ihren Sohn mit sich ins Lager der Apachen.
Halblut Harry und seine indianischen Freunde wollen sich an
die Fersen des "Generals" heften, werden allerdings
von dessen Wachen entdeckt und gefangen genommen. Winnetou
kann die Jungen befreien, der "General" flieht.
Doch er kann seinem Schicksal nicht entkommen, die Apachen
finden ihn und bereiten seinen Machenschaften ein Ende.
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