Karl May Festspiele Elspe 1976
Ausführlich informiert das Buch:
40 Jahre Elspe
Karl-May-Festspiele Elspe 1977
1977: Jochen Bludau, Pierre Brice, Christiane Gött
Karl May Festspiele Elspe 1978
Karl May Festspiele Elspe in Wien 1978
Karl May Festspiele Elspe 1979
Karl May Festspiele Elspe in Wien 1979
Karl May Festspiele Elspe 1980
Meinolf Pape, Pierre Brice
Karl May Festspiele Elspe 1982
Karl May Festspiele Elspe 1983
Karl May Festspiele Elspe 1984
Karl May Festspiele Elspe 1985
Karl May Festspiele Elspe 1986
Die Karl-May-Filme mit Pierre Brice
Die Karl-May-Festspiele mit Pierre Brice
  Karl-May-Festspiele Elspe
 
 Der Ölprinz
 Der Schatz im Silbersee
 Winnetou I
 Winnetou II
 Winnetou III
  Winnetou, der Apache
  Winnetou-Tournee
  Das Geheimnis des Feuerberges
  Winnetou im Wilden Osten
  Karl-May-Festspiele Bad Segeberg
Fernsehserien mit Winnetou

Wilder Westen à la Elspe

Das Auftreten von Film-Winnetou Pierre Brice bei den Karl-May-Festspielen Elspe 1976 schrieb Bühnengeschichte für die Freilichtspiele Deutschlands. Winnetou-Darsteller Pierre Brice und Schauspieler sowie Autor Jochen Bludau, der 1968 die Geschäftsführung der Naturbühne Elspe e.V. und dann die der Bühne angeschlossenen Wirtschaftsbetriebe "Western Country GmbH" übernahm, bildeten wohl gerade wegen ihrer persönlichen Gegensätze ein Dreamteam der besonderen Art. Diesem Dreamteam gelang es, aus den sauerländischen Amateur-Indianern, die übermächtig erscheinende Konkurrenz der professionellen Theaterschauspieler in der schleswig-holsteinischen Karl-May-Metropole Bad Segeberg zunächst zu überrunden und dann den Grundstein für den Rückzug aus dem Amateurlager in die professionelle Unterhaltungsindustrie zu legen. Pierre Brice sorgte während seiner 10jährigen Zusammenarbeit als Publikumsmagnet für die höchsten Besucherzahlen in der Geschichte des Elspe Festivals. 1000mal zog er nicht nur Besucher aus dem Rhein-Main- und Rhein-Ruhrgebiet - dem eigentlichen Einzugsgebiet der Freilichtbühne - an, sondern machte Elspe auch über die Grenzen hinaus bekannt. Der dynamische Manager Jochen Bludau, der erst 1993 seine Rolle als Old Shatterhand seinem Nachfolger übergab und sich seit 1996 auch für die Regie diverser Inszenierungen auf der Freilichtbühne und in der Showhalle verantwortlich zeigt, nutzte die Besucherrekorde zum Ausbau der Naturbühne zum größten deutschen Freizeitunternehmen Elspe Festival (www.elspe.de). Dabei kommt dem Allrounder sein stets zielsicheres Gespür für die Wünsche des Publikums zugute. Im Mittelpunkt des nunmehr ganzjährig betriebenen Elspe Festivals stehen auch heute immer noch die im Sommer stattfindenden Karl-May-Festspiele.


2004 - 40 Jahre Karl-May-Festspiele im Sauerland

Bereits 1947 kamen begeisterte Laienschauspieler kamen auf die Idee von Freilichtheater, aber erst 1950 wurde die Naturbühne Elspe e.V. gegründet. Seit 1958 wurden auf dem Rübenkamp - ein steiler felsiger Hügel mit Wacholdersträuchern - in Elspe Karl-May-Inszenierungen aufgeführt. Doch größere Erfolge stellten sich erst ein, als man sich 1968 auf Aktionstheater umstellte und seit 1972 eindrucksvolle pyrotechnische Höhepunkte einflocht: In "Unter Geiern" (1972) war es eine Hängebrücke, die per Fernzündung auseinander fiel. Der Bösewicht stürzte dabei auf ein vom Publikum nicht sichtbares Sprungkissen. Ebenfalls hatte man einen großen künstlichen Wasserfall von 16 Meter Höhe installiert, aus dem 20.000 l Wassermassen ("Der Schatz im Silbersee") oder 100.000 l brennendes Wasser aus einem Gemisch aus leicht entflammbarem Benzin und Gas zusammen mit dem Mörder Parranoh ("Winnetou II") in die Tiefe stürzen. Das Geheimnis dahinter: ein großer Wassertank, eine Umwälzpumpe und fünf Rohrleitungen. Ein Berg mit der Goldader der Apachen explodiert in "Winnetou I", bei der Santers Double aus 16 m Höhe von einem Sprungkissen aufgefangen wird. In "Der Ölprinz" findet der verbrecherische Ölprinz bei einem Sturz vom 18 m hohen mit Propangas entflammbaren Ölturm den Theatertod.

In dem Gründungsjahr der Western Country GmbH 1974 ließ man in dem Stück "Halbblut" das erste Mal in der Geschichte der Karl-May-Freilichtaufführungen eine Dampflokomotive über die Bühne fahren, die einen Indianerüberfall zu bestehen hatte. Dazu hatte man eine kleine Gleisstrecke über die Bühne verlegt. Bei "Im Tal des Todes" 1975 konnten die Gästen auf dem Gelände vor der Bühne ihren Hunger in einem großen Western-Saloon mit eignem Restaurationsbetrieb stillen. Dieser Western-Saloon, der in Deutschland seines gleichen sucht, ist nach wie vor nicht nur der traditionelle Ort, an der die Premierenfeiern bei zünftigen Westernessen und Country Musik stattfinden. Auch die Dampflokomotive fuhr 1975, allerdings mit einer größeren Gleisanlage, nicht nur über die Bühne, sondern beförderte vor und nach dem Spielbetrieb pfeifend Westernpublikum durch das Gelände. Zuvor hatte man deshalb zwei Lokomotiven und einige Waggons von der Zillertalbahn gekauft. Die unerwartet hohen Kartenvorbestellungen 1976 für den Ölprinzen mit Pierre Brice machten es erforderlich, den Zuschauerraum auf 4.000 Plätze zu erweitern.

Noch machte eine Teilüberdachtung, die aus einer Holzkonstruktion bestand, es nur den wenigsten Zuschauern möglich, auch bei Regen die Abenteuer Old Shatterhands und Winnetous trocken zu überstehen. Die übrigen mussten sich bis 1977 mit Regenhäuten begnügen. Schon vor Saisonbeginn 1978 wurden über dem gesamten Zuschauerraum eine Stahlseilkonstruktion an vier Masten errichtet. Allerdings hatte man es zur Premiere am 3. Juni nicht geschafft, das 2800 m2 umspannende Zeltmembrandach, das neben dem Dach im Olympiastadion München das zweitgrößte freitragende Dach Europas ist, aufzuziehen. Um den Spielbetrieb nicht zu gefährden, wollte man es nach Spielende fertig stellen. Aber als bereits 20 von 28 Vorstellungen 1978 verregnet waren, entschloss man sich kurzfristig, den Spielbetrieb für einige Tage zur Dachaufhängung zu unterbrechen. Etwa 1,5 Mio. Euro veranschlagte die Seilkonstruktion, die die Bühne mit Hilfe einer Landesbürgschaft selbst finanzierte. Von nun ab standen zwar bei verbesserter Akustik nur noch die tierischen und menschlichen Akteure im Regen, die eine Reihe Vorkehrungen gegen die sauerländischen Wassermassen treffen mussten: Wasserfeste Schminke, die Abdeckung der empfindlichen Lautsprecheranlage mit Planen und Auslegung der Hauptspielfläche auf der 80.000 m2 große Naturbühne mit wasserabstoßenden Hartholzspänen, damit sich das Kampfgetümmel nicht zu einer Schlammschlacht entwickelt. Mit dem ersten Gastspiel "Der Schatz im Silbersee" in der Wiener Stadthalle 1978 erwies sich die Western Country GmbH auch als Dienstleistungsunternehmen, die die Organisation von Freiluftspielen und Großhallenshows in Sachen Wilder Westen übernahm. 1978 wurden die Karl-May-Festspiele um ein Rahmenprogramm erweitert, das sich bis heute als Streetparty und Stuntshow gehalten hat.

Da seit 1976 in jeden Jahr mehr Zuschauer kamen und damit Massen an Bussen, Pkws oder Campingwagen sich die steile Straße am Rübenkamp hoch quälten, musste 1979 eine neue Zufahrtstraße, die die neuen Parkflächen problemlos befahrbar machte, pünktlich zur Premiere "Winnetou II" erröffnet werden.

Das "Elspe Festival" führte 1982 das Computersystem "Charlie" ein, das die eingehenden Platzreservierungen übernimmt. Später folgten viele Konzertveranstalter und Veranstaltungsarenen sowie Bundesliga-Vereine dem Beispiel. 1989 kam ein großes Zelt für Showaufführungen, das 1994 durch die 5 Millionen Euro teure "Elspe-Festival-Halle" mit aufwendiger Hallentechnik - hiermit kann nicht nur ein Sonnenuntergang, Gewitter oder ein klarer Sternenhimmel simuliert werden, sogar echte Regenschauer - abgelöst wurde.

Untrennbar mit den Karl-May-Festspielen Elspe verbunden waren bis 1994 deren Gastspiele in Ratingen am "Blauen See". Obwohl die Naturbühne deutlich kleiner und deshalb die Inszenierungen auf die örtlichen Verhältnisse angepasst werden mussten, konnten an den jeweils zwei Septemberwochenende in 9 Vorstellungen kontinuierlich 14.000 Zuschauer gezählt werden. Daran konnte das Gerücht 1983 auch nichts ändern, dass die Karl-May-Festspiele eben aus technischen Gründen vorzeitig aussteigen wollten.

Erlebnis "Film" auf der Naturbühne

Mit wenigen Dialogen und klar deutlicher Mimik über mehrerer Handlungsstränge, aber umso mehr mit Action, Kampfszenen, pyro-technischen Spezialeffekten und einer Prise derber Komik, die sich oft an aktuelle Ereignisse orientierte, wurde die Grenze zwischen Film und Theater immer stärker verwischt. Western-Action, die sich nahtlos in die Naturkulisse einfügte und die 200 m Breite sowie Tiefe der Bühne ausnutzte, weniger authentische Karl-May-Romaninhalte, ist Trumpf und wird auch kultiviert. Alle Bücher sind von Jochen Bludau sehr frei nach den zur Verfügung stehenden Akteuren, Aktionen, beliebten Karl-May-Filmszenen mit der Untermalung von Martin Böttchers einprägsamer Filmmusik und eigenen Ideen gestaltet. Lediglich die Heldenfiguren der Wildwestromane von Karl May bleiben erhalten. Ein für die Karl-May-Festspiele Elspe durchaus bewährtes dramaturgisches Strickmuster: Postkutschen, handfeste Schlägereien, Pferde, Explosionen, Eisenbahnüberfall und viel Peng Peng. Wenn geschossen wird, sieht man den Sand aufspritzen. Ein optischer Trick mit einer Hebebühne sorgt dafür, dass eine Hütte langsam in sich zusammenstürzt. Ein Indianerzelt mit Familie explodiert. Kunstglas zersplittert gefahrlos in den Kampfszenen, Stühle aus Balsa-Holz werden zerschlagen. Und die Geräuscheffekte dazu kommen live aus dem Regieraum. Es wird alles aufgeboten, was Western-Freunden Spaß macht.

Und weil man auch die Darsteller kennt? Unter den 100 Darstellern sind es die Akteure aus der Bludau Familie: Jochen Bludau, Maria Bludau († 1999) - auf der Bühne resolut, im Clubhaus die Mutter des Ensembles -, Sandra Kühne oder Brigitte Mann. Weiter geht es mit: Meinolf Pape als fehlgeleiteter Indianer-häuptling oder Bösewicht, Peter Hüttemeister († 1999) als begnadeter Pyrotechniker, Bösewicht und Komiker, Heinrich Greve als Sam Hawkens, aber auch Rolf Schauerte und Georg Berghoff oder Wolfgang Kirchhoff als Techniker, Gastronom und Schauspieler. Die Regie übernahm von 1973 bis 1992 zusammen mit seiner Assistentin Sabine Hillman Karl-Heinz Walther, der bis 1995 fast 30 Jahre die Leitung des Grenzlandtheaters Aachens inne hatte.

Pferde, mehr Pferde, noch mehr Pferde

Arbeitet man die Zeitungsausschnitte von 1976 bis 1986 durch, so fällt auf, dass mit dem Erfolg der Karl-May-Festspiele Elspe die Anzahl der bühneneigenen Pferde zunahm. 1977 mussten die Ställe erweitert werden und 1986 kam eine überdachte Reithalle dazu, in der die Pferde auch im Winter schon trainiert und ausgebildet wurden. Die Bühne hat eigene Trainer wie Meinolf Pape, der seit 1970 dem Elsper Ensemble angehört, die auf Pferde oder Stunts spezialisiert sind. Diese bilden auch aus, obwohl auch ausgebildete externe Stuntleute und Trickreiter engagiert werden. Für die wichtigsten Akteure gibt es Konditions- und Bühnentraining für die harten Showkämpfe, die wilden Ritte auf sattellosen Pferden und den gefährlichen Stürzen in die Tiefe. Anregungen holte man sich aus München, Paris und den Universal Studios in Hollywood. Weitere festangestellte Mitarbeiter sorgen das ganze Jahr über für die Betreuung der Anlage und der gastronomischen Einrichtungen. Auch der Fuhrpark entspricht der Dimension eines Industriebetriebs: Neben einer vier- und sechsspännige Postkutsche, Karren, Planwagen und zwei Eisenbahnen findet man Lkws, Bagger, Traktoren, Gabelstapler und ein Feuerwehrauto.

Bereits im Oktober beginnt wegen der Busreiseveranstalter die neue Saison. April und Mai sind die Probemonate. An den Arbeitstagen beginnen die Proben in der Regel nach 17.00 Uhr, da der Großteil der Darsteller ihrer regulären Arbeit nachgeht. Am Wochenenden wird ganztägig nach Bedarf geprobt. In der Regel werden pro Saison an die 100 Vorstellungen angeboten. War das Spielgelände bis 1976 außerhalb der Vorstellungen noch für jedermann frei zugänglich und veranstalte man noch Autogrammstunden mit Pierre Brice am Clubhaus, so änderte sich dieses 1977. Das Gelände wurde auch aus versicherungs-technischen Gründen mit einem Maschendrahtzaun umrundet, so dass es gegen unbefugtes Zutreten besonders während der Vorstellungen gesichert war. Im Clubhaus hielten sich die Darsteller zwischen den Spielen auf, das Clubhaus ist Garderobe, Aufenthaltsraum und Vereinshaus zugleich. Ein Wohnwagen diente Pierre Brice als Garderobe. Später wurde dann für die Zerstreuung der Mitarbeiter ein Tennisplatz und Swimmingpool, an dem man sich an den wenigen schönen Tagen im Sauerland einen ordentlichen Sonnenbrand holen kann, errichtet.