Pierre Brice und Jürgen Haase, Rathen 1988
Jürgen Haase, Grit Stephan, Pierre Brice, Herbert Graedtke
Pierre Brice und Jürgen Haase, Bad Segeberg 1989
Die Karl-May-Filme mit Pierre Brice
Die Karl-May-Festspiele mit Pierre Brice
  Karl-May-Festspiele Elspe
   Winnetou, der Apache
  Winnetou-Tournee
  Das Geheimnis des Feuerberges
  Winnetou im Wilden Osten
  Karl-May-Festspiele Bad Segeberg
Fernsehserien mit Winnetou

Winnetou im wilden Osten

Auslösendes Moment der Karl-May-Welle in der DDR war die Aufhebung des Verbotes, die Reiseerzählungen des sächsischen "Lügenboldes" zu veröffentlichen und gar zu lesen. Papierknappheit wurde in der DDR als offizieller Grund angegeben, warum May Werke in der DDR nicht mehr gedruckt wurden. "Ein Schriftsteller, der stets für den Frieden und die Toleranz zwischen den Völkern eingetreten ist", so wurde er dann von 1982 an gesehen und die ersten Bände der seiner bekanntesten Reiseerzählungen wurden vom Ostberliner Verlag verlegt. Der Rummel um Karl May entlockte dem DDR-Fernsehen sogar die Eigenproduktion "Ich habe Winnetou begraben" über sein Leben und Werk. Die DDR entdeckte so Karl May und seinen Indianerhelden Winnetou neu. Weihnachten 1982 flimmerten dann die Winnetou-Triologie und "Der Schatz im Silbersee" über die DDR-Bildschirme - mit Einschaltquoten, wie sie das Ostfernsehen sonst kaum erlebt hat. Der Häuptling der Apachen hatte eine so große Publikumwirkung, dass "Winnetou" als Vorname beliebt wurde und sich das DDR-Fernsehen spontan zum Ankauf der Fernsehserie "Mein Freund Winnetou" entschloss. Sie lief dann vom 15. Juli bis 26. August 1983 über die ostdeutschen Bildschirme und wurde im Mai 1986 wiederholt.

"Die Supermänner Karl Mayscher Prägung à la Old Shatter-, Sure- und Firehand und natürlich Winnetou haben sich nun auch in unsere Kinos eingeschrieben." schrieb die DDR-Zeitung "Leipziger Volkszeitung" zum Kinostart der Wildwest-Streifen "Ölprinz" und "Old Surehand" im Sommer 1983. Das dazu vom Progress-Filmverleih, die Filmvertriebsgesellschaft der DDR, veröffentlichte Filmprogramm zu "Surehand" war schnell vergriffen. In dem gleichen Zeitraum und zwar von 1983 bis 1986 mit zuletzt "Winnetou III" liefen bis auf "Winnetou und Old Shatterhand im Tal der Toten", "Old Firehand" und "Old Shatterhand" die Karl-May-Filme in den Kinos der DDR immer wieder an. Unbemerkt von der BRD erlebte Tschechien 1985 durch die Wiederaufführung von "Winnetou I" seine zweite große Karl-May-Film-Welle. Gleichzeitig begeisterte Winnetou im September und Oktober in Polen durch die Fernsehserie "Mein Freund Winnetou" sein treues Publikum. Dass Pierre Brice in Tschechien sein treues Publikum nicht vergaß, bewies er bereits 1968, als er Gast der Filmfestspiele Karlsbad war. Aber erst am 5. Juli 1984 erhielten Reporter und ein Dolmetscher für ein Exklusivinterview mit dem Winnetou-Darsteller die Ausreiseerlaubnis aus der CSSR.

Pierre Brice, der in der DDR eigentlich schon ein treues Publikum durch die Spielfilme "Zorro gegen Maciste", "Die Bacchantinnen", "Kampf der Titanen gegen Rom", "Unschuld im Kreuzverhör" und "Robin Hood in der Stadt des Todes" hatte, avancierte dadurch in nur sechs Monaten zum Publikumsliebling Nr. 1. Auf dem alljährlichen Solidaritätsfest der Berliner Journalisten auf dem Alexanderplatz im August 1983 entwickelte sich am Stand der größten ostdeutschen Fernsehzeitung "FF dabei" ein Run auf ein großformatiges Farbposter mit Pierre Brice als Winnetou. Denn Informationsmaterial über die Karl-May-Filme war knapp.

Auf der westdeutschen Seite blieb die Wiederentdeckung nicht unbemerkt. Anlässlich eines Karl-May-Themenabend zum 75. Todestag von Karl-May durfte der Süddeutsche Rundfunk 1987 als erstes westdeutsches Fernsehteam die Karl-May-Stätten in Radebeul und Hohenstein-Ernstthal filmen. Winnetou Pierre Brice besuchte im Juli 1988 erstmals die Heimat seines geistigen Vaters Karl May. Denn zwischen dem sächsische Radebeul, den Karl-May-Festspielen Bad Segeberg und den Landesbühnen Sachsen unter Intendant Herbert Graedtke besteht ein Austausch. In Rathen stehen Ost-Winnetou Jürgen Haase und West-Winnetou Pierre Brice gemeinsam auf der Bühne. Die Ende August veröffentlichte, zwei Seiten umfassende Reportage mit farbigen Fotos in der führenden DDR-Illustrierten "Neue Berliner Illustrierte" krönte eine fast fünf Wochen währende Periode, in der fast alle Massenmedien der DDR von diesem Vierteljahrhundert-Ereignis Notiz genommen hatten. Die deutsch-deutsche Karl-May-Freundschaft zwischen Bad Segeberg und den Landesbühnen trug Früchte: im August 1989 besuchte Winnetou-Darsteller Jürgen Haase, in Rathen in "Winnetou I" auf der Bühne stehend, einer persönlichen Einladung von Pierre Brice folgend den "Schatz im Silbersee" in Bad Segeberg.