Karl May
im hohen NordenIm Sommer 1951 entschied sich die Stadt Bad Segeberg in Schleswig-Holstein ihr großes Freilichttheater mit den etwa 12.000 Steh-
und Sitzplätzen, das man in den 30er Jahren zu Propagandazwecken
erbaut hatte, für Karl-May-Freilichtspiele zu nutzen.
Dazu nahm man sich die von 1938 bis 1941 aufgeführten
Karl-May-Spiele in Rathen zum Vorbild. Dieses erklärt
auch die Verbundenheit der schleswig-holsteinischen Freilichtbühne
mit der sächsischen Felsenbühne. Seit 1952 übertrug
das Fernsehen bis 1957 einige Ausschnitte, dann bis 1981 die Aufführungen in einer besonderen TV-Fassung. Bad Segeberg mit seinem
Kalkbergstadion wurde somit zum Inbegriff der westdeutschen
Karl-May-Freilichtspiele. Fiel das Stichwort Karl-May-Festspiele,
war es unweigerlich zuerst mit Bad Segeberg verbunden.
 Nah an Karl May, war das Motto der dialogreichen Freilichtspiele,
die im Orient, Südamerika als auch im Wilden Westen spielten.
Waren die Kostüme Anfang der 60er Jahre noch die, wie
sie Karl May in seinen Reiseerzählungen beschrieb, zog
der übermäßige Erfolg der Karl-May-Filme auch
Bad Segeberg nicht vorüber, zumindest was das Kostüm
von Winnetou-Darsteller Heinz Ingo Hilgers und die Haarfarbe
des Old-Shatterhands betraf. Neben einer großen Zahl
von Berufsschauspielern schlüpfen viele Segeberger auch
heute noch in die Figuren Karl Mays. Neue Ideen mit den Karl-May-Inszenierungen
zu verbinden, gehörten wie die Karl-May-Orientierung
und Indianerauthentizität zu den Besonderheiten, blättert
man in der Geschichte der Karl-May-Festspiele Bad Segeberg
(www.karl-may-spiele.de).
Das Arbeiten mit Tieren, wie Adler, Geier oder Bär, vor
Publikum gehört ebenso dazu wie Tanzeinlagen. 1978 und
1979 machte Bad Segeberg dadurch Schlagzeilen, dass die Aufführung
"Winnetou" nur mit Kindern besetzt wurde. Da es
auch jeweils eine Hauptaufführung gab (1978: "Durchs wilde
Kurdistan" und 1979 "Old Firehand")konnte man an zwei Karl-May-Abenteuer
verfolgen. Als Folge der Verpflichtung von Pierre Brice in
Elspe begann man 1976, mit dem Raimund Harmsdorf ( 1998)
in "Old Firehand" pro Saison einen bekannten Schauspieler
aus Film, Theater oder Fernsehen zu verpflichten. Hier sind u.a. die Namen zu nennen: Jürgen Feindt ( 1978), Wolfgang Lippert, Claus Wilcke, Chris Howland, Christopher Barker, Eberhard Cohrs, Ralf Wolter, Elke Sommer, ... Diesem Konzept - bis auf eine kleine Unterbrechung - ist man bis heute treu geblieben.

Die in Folge der Karl-May-Filme entstehenden Karl-May-Bühnen (Homburger Waldbühne "Am Rabenhorst", "Schauspiel in Cuxhaven", Berlin-Rehberge, ...) versuchten an den Erfolg der Karl-May-Festspiele Bad Segeberg anzuknüpfen. Erwähnenswert ist hier die Aufführung "Das Geheimnis der Bonanza" vom langjährigen Segeberger Intendanten Wulf Leisner mit dem Segeberger Winnetou-Darsteller Heinz Ingo Hilgers auf der Freilichtbühne an der Dimbeck in Mülheim an der Ruhr, zu deren Premiere
am 25. Juni 1971 als Ehrengast Pierre Brice eingeladen wurde.
1973 löste Klaus-Hagen Latwesen, der ab 1981 dann auch
die Intendanz übernahm, den Winnetou-Darsteller Werner
Wachsmuth, der die Winnetou-Rolle 1971 von Heinz Ingo Hilgers übernahm. 1980 folgte Bad Segeberg dem Beispiel der Western Country GmbH und gründete die Kalkberg GmbH,
an der die Stadt Bad Segeberg zu 51 % beteiligt war.
1987 entscheidet sich Pierre Brice, der bei seinen Kurzbesuchen 1979 und 1983
in Bad Segeberg bereits einen Eindruck gewonnen hatte, für
das Angebot der Karl-May-Festspiele Bad Segeberg. Anders als
in Elspe übernahm Pierre Brice das Buch und hatte an den Inszenierungen
Mitspracherecht. Er übernahm die Winnetou-Rolle, arbeitete
in der künstlerische Leitung mit, brachte seine Bühnen-,
Film- und Fernseherfahrung als "Winnetou" in der Arbeit
mit den Pferden ein, unterstützte bei der Koordination
der Stunts oder bei der Auswahl der Kostüme und wählte
die Musik aus. Bad Segeberg steht somit auch für die Verwirklichung
des persönlichen Anliegen von Pierre Brice, mit seiner
Interpretation von Winnetou, eine Brücke zwischen den Erzählungen
Karl Mays und der Realität der amerikanischen Indianer
während der Besiedlung des Westens der USA zu bauen. Wie
auch schon bei den Karl-May-Spielen Elspe bescherte Pierre Brice
den Karl-May-Festspielen von 1988 bis 1991 einen Zuschauerrekord,
der bis heute unerreichbar blieb. 1999 kehrte Pierre Brice als
Regisseur noch einmal nach Bad Segeberg zurück. |