PersonenDarsteller
Winnetou Pierre Brice
Old Shatterhand   Rüdiger Bahr
Sam Hawkens Eberhard Cohrs
Nscho-tschi Claudia Condor
Santer Thomas Wenske
Intschu–tschunaPaul Glawion
Bancroft Eric Casper
Tangua Thomas Rau
Dick Stone Hubert Münster
Rattler Klaus Schichten
Klekih-petra Mario Luraschi
Pierre Brice mit Rüdiger Bahr und Claudia Condor
Pierre Brice mit seinem "Juanito"
Zweikampf Pierre Brice mit Rüdiger Bahr
Dortmunder Westfalenhalle
Pierre Brice mit Juanito
Wuppertal 1982 - Szenenaufnahme
Pierre Brice mit Claudia Condor
Wuppertal 1982 - Szenenaufnahme
Wuppertal 1982 - Szenenaufnahme
Pierre Brice mit Dick Price
Pierre Brice und Rüdiger Bahr
Die Karl-May-Filme mit Pierre Brice
Die Karl-May-Festspiele mit Pierre Brice
  Karl-May-Festspiele Elspe
  Winnetou, der Apache
  Winnetou-Tournee
  Das Geheimnis des Feuerberges
  Winnetou im Wilden Osten
  Karl-May-Festspiele Bad Segeberg
Fernsehserien mit Winnetou


Ist es für Winnetou immer
die richtige Zeit?

04. Februar 1982: Das May'sche Epos um die schicksal-hafte Begegnung zwischen Old Shatterhand und Winnetou erlebte als Action- und Musikspektakel auf einer Sandaufschüttung in der zum "Wilden Westen" umfunktionierten nur noch 7000 Zuschauer umfassenden Dortmunder Westfalen seine Uraufführung. Das ungewöhnlichste Karl-May-Projekt, das letztlich an schlechter Organisation und Selbstüberschätzung scheitern sollte, entwickelte sich aus der Idee heraus, anstatt auf der Bühne nur 3 Monate ganze 12 Monate in einem 50 m x 40 m Zirkuszelt Karl May zu spielen. Der 30jährige Unternehmer und Produzent Peter Stenzel - Sohn der Münchner Agentin Ruth Killer - gewann als erste Station die Dortmunder Westfalenhalle für ein 14tägiges Gastspiel.

"Winnetou" glich in seinem Handlungsablauf dem bereits aus Buch, Film und Fernsehen bekannten Stoff aus der May'schen Winnetou-Triologie, der von Peter Bruno alias Peter Stenzel auf Showformat umgeschrieben wurde. Stark abgewandelt war das Gottesurteil, dem sich Old Shatterhand alias Rüdiger Bahr ("Lockruf des Goldes") unterwerfen musste. Hier rangen durch eine bronzene Kette aneinandergebunden Old Shatterhand und Winnetou um Leben und Tod bis diese überraschend zerbirscht.

Der deutsche Schlagerkomponist Ralph Siegel lieferte die Musik zu "Winnetou". Für Ralph Siegel war es sein erstes größeres musikalisches Werk. Mit einem philharmonischen Orchester von 100 Mann und 60 Chorsängern wurde in einem Münchner Studio das Musikband im Disco-Sound eingespielt, das während der Vorstellungen als Playback eingespielt wurde und als Schallplatte erhältlich war. Lediglich Nscho-tschi alias Neuentdeckung Claudia Condor, die den Feind ihres Bruders liebt und den Verlust ihres Bruders fürchtet, sang ihre drei Schlager ("Manitou" - "Das Lied für den Frieden"), welche von Bernd Meinunger getextet wurden, live.

2 Jahre sollte das Musik- und Actionschauspiel "Winnetou" auf Tournee gehen. Freiburg, Karlsruhe, Kassel, Luxemburg, Augsburg sollten Stationen der insgesamt 25 Städte sein, durch die "Winnetou" in einem Zirkuszelt, dass der Zirkus Busch-Roland zur Verfügung stellte, touren sollte. Mit einem Sonderzug der Deutschen Bundesbahn, der 40 Wagon umfassen, sollte das transportable "Schauspielhaus" durch Deutschland rollen. Doch die Vorschußlorbeeren, mit denen Produzent Peter Stenzel seine Unternehmung bedachte, waren schnell dahingewelkt. Vier Wochen nach der Uraufführung in der Dortmunder Westfalen kam es um 12.00 Uhr mittags am 0.1 März 1982 in Wuppertal zum endgültigen "Aus" für das ehrgeizige Projekt. 14 Tage später meldete Peter Stenzel mit seiner Internationalen Medienproduktion offiziell Konkurs an.

Der wohl wichtigste Grund: Die Zuschauer kamen nicht so willig wie geplant. Fehlende Action, fehlende Zusammenhänge in der Handlung, zerrissene Szenen mit langatmigen Passagen, wenig einfallsreiche Dialoge und zu ausgedehnte Musikeinlagen projezierten Pierre Brice in seiner Rolle "Winnetou" in einen ungewohnten Rahmen. Eine traurige Zuschauerbilanz war die Folge: Statt 100.000 erwarteten Zuschauern sahen sich nur 30.666 zahlende Besucher die Produktion in der Dortmunder Westfalenhalle an. Die 6.000 Zuschauer umfassenden Ränge wurden in dem 10tägigen Gastspiel von durchschnittlich 1.200 Besuchern bevölkert. Am 18. Februar begannen die Proben auf der Wuppertaler Festwiese unter der Kuppel des Zirkuszeltes von Busch Roland. Zur Premiere am 20. Februar füllte sich das Zirkuszelt in der Carnaperstraße mit 1.300 Zuschauern, durchschnittlich spielt man darauffolgend vor 400 Zuschauer. Während der Karneval in Wuppertal tobte, ritt Winnetou fast mit 100 bis 200 Zuschauern fast vor leerem Haus.

Unstimmigkeiten zwischen Pierre Brice, Regisseur Dick Price, der schon mit Stars wie Sammy Davis jr., Hildegard Knef oder Curd Jürgens zusammengearbeitet hatte, dem Ensemble und Peter Stenzel. Dick Price versuchte bereits frühzeitig vergeblich, das fade Drehbuch mit gewagten Actionszenen aufzupolieren. Pierre Brice übernahm einige Textpassagen aus seiner Eigenproduktion "Winnetou, der Apache". Doch schlug Stenzel dies durch sein Bestehen auf seinen Urheberrechten aus, reiste nach der Premiere in Dortmund ab und meldete sich nur noch telefonisch. Weiterer Streitpunkt bildete das von Klaus Ulrich Jacob geschaffene Bühnenbild, dessen leichte Konstruktion den Sicherheitsvorschriften nicht immer entsprach. Pierre Brice: "Wenn ich mit meinem Pferd den Felsen herunterritt, knackten die Holzverstrebungen des Bühnenaufbaus bedenklich."

Während in Dortmund noch großformatige Plakate aufgehängt wurden, traf das Ensemble von 50 Mann mit Pierre Brice am 1. Februar ein. Vorausgegangen waren vierwöchige Proben in Garmisch-Patenkirchen und den Münchner Bavaria-Studios. Kurzfristig wurde das 80 m lange und 16 m hohe Bühnenpanorama aus Sperrholz und Styropor aufgebaut und mit 30 LKW-Ladungen Sand aufgefüllt. Schon die letzten Vorbereitungen zur Uraufführung standen unter einem ungünstigen Stern. Bösewicht Santer alias Thomas Wenske stürzte während der Generalprobe so unglücklich von dem 16 m hohen Pappfelsen, dass seine Rolle kurzfristig umbesetzt werden musste. Unerwartet erkrankten die Pferde "Juanito" und "El Cid" von Pierre Brice. Kurzfristig sprang "Crow" für seine Pferdekollegen ein. Pierre Brice langjähriger Begleiter "Juanito" erholte sich aber von seiner Erkrankung an der Speiseröhre leider nicht mehr. Ende Februar musste er auf dem Gut von Mario Luraschi von seinen Leiden erlöst werden. Mit 30 Minuten Verzögerung brachten wild galoppierende Reiter, die pyrotechnischen Effekte von dem aus vielen Karl-May-Filmen bekannten Pyrotechniker Erwin Lange, freilaufende Bären und 20 Pferde Karl-May-Romantik in die Westfalenhalle - untermalt von der Musik von Ralph Siegel. Und Pannen überall: Abgesehen von den üblichen Ladehemmungen einiger Gewehre, zündete der Indianer Mescalero seine Fackeln mit Hilfe eines neuzeitlichen Feuerzeuges an, Klekih-Petra starb schon vor dem tödlichen Schuß; die styroporleichten Felsbrocken waren den heftigen Kämpfen nicht immer gewachsen und ein Kundschafter übersah die Kulissen. Weniger glimpflich kam Pierre Brice davon. Er verstauchte sich derart den Knöchel, dass er nur unter Schmerzen die Premierenvorstellung hinter sich brachte und am nächsten Tag die Vorstellungen abgesagt werden mussten.

Doch auch der festliche Rahmen der Premierenfeier in der "Bierschwemme" mit ihren prominenten Ehrengästen Karin Dor, Chris Roberts, Gavin Du Porter, Ireen Sheer, Philipp Gunther oder Günther Strack und die heiße Schlacht am kalten Büffet bei Hummer, Kaviar, raffinierten Salaten und aufwendigen Süßspeisen ("Silberbüchse" aus Marzipan) beruhigten das Ensemble nicht. Zwei Tage früher als geplant brach man das Gastspiel in der Dortmunder Westfalenhalle ab, da der Auf- und Abbau der Dekoration mehr Zeit in Anspruch nahm und Schwierigkeiten bei der Umstellung auf die Spielfläche im Zirkuszelt auftauchten. Von 16 m auf 6 m musste die Höhe der Kulissen herabgesetzt werden. Die Zirkusmanege war zu klein, so dass man die Pferde nicht ausgaloppieren konnte und auf viele Reiterstunts verzichten musste. Ein Starkregen verwandelte den Aktionsplatz von Winnetou und Old Shatterhand in eine Schlammwüste. Zu allem Unglück zerfetzte eine Sturmböe am 1. März noch die Zeltkuppel. Nach der Abreise des Bärenführers mit seinen zwei Bären verkürzte sich die Spieldauer von 2 Stunden auf 1 Stunde und 15 Minuten.

An seinen Vertrag gebunden und aus Solidarität mit seinen Kollegen spielte Pierre Brice bis zuletzt weiter. Mit der Unterstützung seines Dortmunder Rechtsanwaltes legte er Peter Stenzel eine 10-Punkte-Forderung vor, die u.a. Änderungen an der Regie, am Drehbuch, an den Verträgen seiner Mitspieler und den Eintrittspreisen vorsah. Darauf kam keine Antwort. Die technischen Probleme und die ausbleibenden Gagen verstärkten die Unruhe unter den Schauspieler. Die Akteure stellten daraufhin bis zum 1. März 1982 um 12.00 Uhr ein Ultimatum. Absender waren die französischen Cascadeure, die Tontechnikerfirma Pan GmbH, der Pyrotechniker Peter Rotten und Dick Price mit ihren nicht beglichenen Forderungen. Mit Ablauf dieses Ultimatums standen sie nicht mehr zur Verfügung. Am vorletzten Spieltag - 27. Februar 1982 - lud Peter Stenzel den Geschäftsführer Heinrich Geier von Busch-Roland, bei dem der Münchner schon mit 150.000,- Euro in der Kreide stand, zu einer Krisensitzung nach Karlsruhe ein. Stenzel gestand seine Zahlungsunfähigkeit und schlug eine Notgemeinschaft zwischen ihm und dem Ensemble vor, bei der er allerdings nicht auf seine Urheberrechte als Autor, Komponist und Verlag von "Winnetou" verzichten wollte. Der Pferdefuß, an dem die Einigung mit den Schauspielern scheiterte. Um 12.00 Uhr am 1. März platzt die Show (Winnetou gerät unter die Geier, Pleitegeier holte Winnetou vom Pferd), die Cascadeure und Tontechniker reisten ab. Zirkusunternehmer Geier erklärte sich mit Pierre Brice und den 50 Akteuren solidarisch und bot für drei Benefiz-Veranstaltungen sein Zelt dem Ensemble an. Denn manche Schauspieler sahen sich finanziell nicht mehr in der Lage, die anstehende Hotelrechnung zu begleichen. Auch die Futterkosten für die Pferde waren noch nicht beglichen. Seit Ende Februar waren Peter Stenzel und seine Mutter, die Künstleragentin Ruth Killer nicht mehr zu erreichen.

Jungtalent Claudia Condor erfuhr im St.-Petrus-Hospital in Wuppertal von der Pleite. Sie stürzte kurz vor Torschluss sehr unglücklich von der Kulisse und erlitt so starke Verletzungen, dass sie durch ein Double mit Playback ersetzt werden musste.